Wien

Raumplanerin und Frisör hüten nun Kindergarten-Kids

Die Wiener Kindergärten leiden an Personalmangel. Die Stadt spricht daher gezielt Quereinsteiger an. Darunter waren auch Maria (42) und Dominik (26).
Louis Kraft
23.02.2022, 17:36

Im März wollen die Wiener Elementarpädagogen wieder auf die Straße gehen, um gegen den akuten Personalnotstand und bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Dass es an Kindergartenpädagogen mangelt liegt zum Teil auch daran, dass die Ausbildung schon mit 14 Jahren beginnt. Wenn die Teilnehmer dann nach fünf Jahren ihr Diplom in den Händen halten, hat sich oft vieles in deren Leben verändert und sie suchen nach anderen Jobs.

Als Quereinstieger in den KiGa: "Entscheidung nie bereut"

Um dem herrschenden Fachkräftemangel zu begegnen bietet die Stadt Wien gezielt auch Ausbildungsmöglichkeiten für Quereinsteiger. Unter denen, die das Angebot genutzt haben, sind auch Maria M. (42) und Dominik P. (26). "Ich habe lange als Raumplanerin gearbeitet, habe viel Zeit im Büro und dem Computer verbracht", erzählt die Wienerin. Dominik absolvierte nach dem Pflichtschulabschluss eine Frisör-Lehre, während seines Zivildienstes in einem Kindergarten entdeckte er, wie viele Freude ihm die Arbeit macht. 

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Als er von der Ausbildung an der Schule für Assistenzpädagogen in der Patrizigasse 2 (Floridsdorf) erfuhr, zögerte er nicht lang. "Mich hat überzeugt, dass man die Ausbildung auch ohne Matura machen kann". Nach seiner dreijährigen Lehrzeit begann er im Sommer 2019 seinen Dienst im Städtischen Kindergarten in der Stranitzkygasse 4 (Meidling). Seine Entscheidung, die Schere an den Nagel zu hängen, hat er nie bereut.

"Mach etwas, dass du gerne machst und musst du nie wieder arbeiten"

"Der Job ist schon auch mal anstrengend, aber ich gehe jeden Tag mit dem Wissen nach Hause, etwas Tolles getan zu haben", erzählt der Wiener gegenüber "Heute". Ein Erlebnis an einem heißen Sommertag ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: "Die Kinder haben draußen im Garten herum gepritschelt und wir haben mitgemacht. Da habe ich echt gemerkt, wie viel Spaß mir mein Job macht. Es stimmt wirklich: Wenn du etwas machst, dass dir Spaß bringt, dann wirst du nie wieder arbeiten", so Dominik.

Stadt fördert Ausbildung, Tag der offenen Tür bietet Infos

Auch für Maria führte der Weg von der Technik in den Kindergarten über die bafep21. "Ich habe selbst einen Sohn. Manchmal habe ich die Exkursionen vom Kindergarten begleitet und habe dabei mein Interesse an dem Job entdeckt", erzählt sie. Im heurigen Jänner schloss sie im "Kolleg Change" die zweieinhalbjährige Ausbildung zur Kindergartenpädagogin ab.

Während der Ausbildung gibt es in den ersten zwei Semestern die Möglichkeit zur Unterstützung durch das AMS und den Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds waff. Ab dem dritten Semester arbeiten die Studierenden an zwei Tagen in der Woche in einem Kindergarten und werden dafür bereits von der Stadt Wien mit rund 1.800 Euro brutto entlohnt. Nach der Ausbildung beträgt das Brutto-Einstiegsgehalt in städtischen Wiener Kindergärten rund 2.850 Euro.

Alle Infos dazu bekommst Du beim AMS oder beim waff. Mehr über die Ausbildungsmöglichkeiten gibt es virtuell auch am Online-Tag der Offenen Tür der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik der Stadt Wien (bafep21) am 25. Februar zu erfahren. 

"Man kann den Kindern bei der Entwicklung zu sehen"

Maria nutzte die Chance und hat nun in einem Kindergarten in der Gußriegelstraße (Favoriten) eine neue berufliche Heimat gefunden. "Das Schönste ist, mit den Kindern zu arbeiten und zu sehen, wie unvoreingenommen diese sind. Man kann ihnen bei der Entwicklung regelrecht zu sein und mit ihnen den Weg gemeinsam gehen", fasst Maria zusammen. 

Statt stundenlang vor dem Computer zu sitzen, geht sie nun jeden Tag und bei jedem Wetter mit ihren Schützlingen in den Garten. "Mit entsprechender Kleidung auch bei Regen. Die Kinder finden es toll", schmunzelt Maria. 

Typischer Tag: Gemeinsam essen, spielen und lernen

Der Tagesablauf ist für Maria und Dominik trotz leichter Unterschiede doch recht ähnlich. "Ab 6.30 Uhr kommen die Kinder in die Sammelgruppe, danach in ihre Stammgruppe. Seit Corona vermischen die sich auch nicht mehr. Um 8.30 Uhr gibt es dann ein gemeinsames Gabelfrühstück, wo sich die Kinder selbst Sachen aussuchen können", schildert Dominik. Danach werden Bildungsangebote, den Interessen der Kinder entsprechend, gesetzt. Nach dem Mittagessen halten die Kids eine Ruhephase ein. Um 15 Uhr geht es für die meisten Schützlinge von Dominik dann nach Hause. "Wir haben aber bis 17.30 Uhr geöffnet".

Maria nickt ob Dominiks Beschreibung des Tagesablaufes zustimmend. Ein großer Unterschied ist aber, dass fast alle Kinder in ihrer Kleinkindergruppe die Ruhepause schlafend verbringen. 

Wunsch nach mehr Wertschätzung, Parkpickerl aber kein Thema

Mit ihrer Entscheidung für den Kindergarten sind beide hochzufrieden. Ein kleines bisschen kann Maria aber doch verstehen, wenn Kollegen auf die Straße gehen. "Es ist immer nur die Rede vom Pflegepersonal oder den Schulen, da gehen die Kindergärten unter. Dabei würden gerade auch die Mitarbeiter der Elementarpädagogik Wertschätzung verdienen", ist sich Maria sicher. 

Dass Mitarbeiter den Kindergärten wegen der Einführung des wienweiten Parkpickerlsden Rücken kehren, glauben Maria und Dominik nicht. "Ich habe einige Kolleginnen und Kollegen aus Niederösterreich, aber bei denen war das nie ein Thema. Vielleicht, weil es das Parkpickerl in Favoriten ja schon länger gibt".