Mitarbeitende der Ems-Chemie in Graubünden (Schweiz) dürfen nicht mehr von einem Krieg in der Ukraine sprechen. Stattdessen sind die Angestellten angewiesen worden, von einem Konflikt zu sprechen, wie die "Woz" schreibt. Die Zeitung bezieht sich dabei auf eine interne E-Mail.
Diese soll SVP-Nationalrätin und Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher am 14. März an die Spitzenkader ihres Unternehmens geschickt haben. Darin teile Martullo-Blocher mit, dass sie eine einheitliche Kommunikation sicherstellen wolle.
"In Russland wird die Verwendung des Wortes 'Krieg' im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland mit Gefängnis bestraft", zitiert die "Woz" aus der Mail. Darum sei das Wort Krieg in der Ems-Gruppe ab sofort nicht mehr zu verwenden. Damit sollen Mitarbeitende in Russland geschützt werden.
"Unseres Wissens nach können Personen, welche von einem Krieg sprechen, in Russland politisch verfolgt werden. Darüber haben wir unsere Mitarbeitenden informiert", sagt ein Sprecher auf Anfrage zu 20 Minuten. Warum alle Ems-Angestellten das Wort nicht verwenden sollen, bleibt offen.
Nach eigenen Angaben beschäftigt die Ems in Russland 67 Mitarbeitende und ist schon seit über zwanzig Jahren im Land tätig. 1999 baute der Konzern zwei Standorte in Nischni Nowgorod und im tatarischen Elabuga auf. Dort beliefert die Ems Fabriken mit Materialien für den Unterbodenschutz.
Das ist die Ems
Die Ems-Gruppe ist in den Geschäftsbereichen Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien weltweit tätig. Ihre Gesellschaften sind in der Ems Chemie Holding AG zusammengefasst, die ihren Sitz in Domat/Ems hat. Magdalena Martullo-Blocher führt die Firma. Das Unternehmen hat 25 Produktionsstandorte in 16 verschiedenen Ländern und ist weltweit mit eigenen Verkaufsgesellschaften oder mittels Händlern vertreten. Per Ende 2019 zählte die Ems-Gruppe 2648 Mitarbeitende und rund 140 Lernende in der Schweiz.
Derzeit sei die Produktion in Russland allerdings, "komplett zusammengebrochen". Allerdings beträgt der Umsatz von Ems in Russland nur rund ein Prozent vom Gesamtumsatz der Gruppe, wie es auf Anfrage heißt.