Firmengründer in Krebs-Implantat-Fall verhaftet

Bild: Reuters/Interpol

Im Skandal um französische Billig-Brustimplantate hat die Polizei den Gründer der Firma Poly Implant Prothèse festgenommen. In Österreich tragen hunderte Frauen die minderwertigen Silikonkissen im Körper, Heute.at berichtete.

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Medienberichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen Jean-Claude Mas (72). Er wurde im Haus seiner Ehefrau im südfranzösischen Six-Fours in der Region Var festgenommen. 

Mas befinde sich vorläufig "in Polizeigewahrsam". Auch der Finanzchef des 2010 Pleitegegangenen Unternehmens PIP, Claude Couty, wurde demnach im südfranzösischen La-Seyne-sur-Mer festgenommen, wo früher der Firmensitz war. Beide Anwesen wurden durchsucht. Opferanwalt Philippe Courtois sagte, die Festnahme hätte längst erfolgen können. "Von seiner Aussage erwarten wir uns nicht viel, denn er hat sich schon mit für die Opfer beleidigenden Bemerkungen eingelassen."

TÜV getäuscht

Mas hatte bereits in einem früheren Polizeiverhör zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon des deutschen Chemiegroßhändlers Brenntag zusammenmixte. Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere, medizinische US-Produkt Nusil enthalten, das Mas auch gegenüber den Kontrolleuren vom TÜV Rheinland angab. Der TÜV sei bei seinen angekündigten Kontrollen gezielt getäuscht worden. Unterlagen wurden laut Mas versteckt, die PIP-Angestellten hätten ganze Container verschwinden lassen.

Halbe Million Betroffene

Weltweit sollen 400.000 bis 500.000 Frauen minderwertige Silikonkissen der Firma bekommen haben. Mehrere Länder hatten die Frauen dazu aufgerufen, die Implantate entfernen zu lassen. Die Billig-Silikonkissen, die auffällig oft rissen, werden für Entzündungen und von den Opfern sogar für Krebsfälle verantwortlich gemacht.

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