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Florian (10) zu Hause missbraucht– dann verschwindet er

Sie haben Brandwunden, blaue Flecken und Missbrauch erlebt. Eine Schul-Direktorin berichtet, dass Kindern wie Florian einfach nicht geholfen wird.
Wien Heute
08.10.2023, 21:37
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Direktorin Petra Bauer (54) vom "Zentrum Inklusiver Schulen" in Wien-Hernals hat oft den Verdacht, dass Kinder zu Hause körperlich und sexuell missbraucht werden. Die Kinder kommen mit Brandwunden, blauen Flecken in die Schule, zeigen starke Verhaltensauffälligkeiten. Die Schulleiterin verschließt nicht die Augen, sondern erstattet Gefährdungsmeldungen. Doch den Kindern wird gar nicht oder zu spät geholfen. So wie im Fall von Florian (Name geändert).

Wie das "Profil" in einer ausführlichen Reportage berichtet, wirkt der Bub von Anfang an stark verängstigt. Der Zehnjährige hat extreme Stimmungsschwankungen, verweigert Essen und Trinken und macht sich in die Hose, wenn die Eltern ihn abholen. Nach drei Monaten meldet Bauer den Zustand des Buben zum ersten Mal der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11).

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Florian verweigert Essen und Trinken

Daraufhin kümmert sich eine Vertrauenslehrerin um Florian. Der Verdacht liegt nahe, dass er zu Hause misshandelt und missbraucht wird. Weitere Gefährdungsmeldungen an das Jugendamt folgen, so das "Profil". Nach den Ferien kommt Florian völlig ausgetrocknet in den Unterricht – doch er schafft es nicht, etwas in den Mund zu nehmen. Völlig apathisch liegt er mit dem Kopf am Tisch.

Da vonseiten der MA 11 offenbar keine Hilfe kommt, versucht Petra Bauer alles, um Florian zu helfen. Sie wendet sich an die Schulpsychologin und die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Doch alles bleibt beim Alten. Auch der Kontakt zu den Eltern ist schwierig: Die sehr junge Mutter ist krankheitsbedingt oft verhindert, der Vater scheint großen Druck auf den Zehnjährigen auszuüben, damit dieser schweigt.

Bub vertraut sich Lehrerin an

Nach den Sommerferien 2020 tobt Florian 20 Minuten lang vor der Direktion. Der Bub nimmt Medikamente gegen ADHS, laut Bauer verabreicht ihm sein Vater diese aber "immer wieder falsch dosiert". Beim Toben klammert er sich an die Vertrauenslehrerin und schreit, dass er bei ihr wohnen will. Und schließlich beginnt er, sich zu öffnen: "Kannst du schweigen?", fragt er sie. Der Bub erzählt von Drogen, dem Vater und seiner Angst, dass jemand "etwas" erfährt. 

Nach einer "Helferkonferenz", bei der wieder nur der Vater anwesend ist, leitet das Jugendamt eine Kindesabnahme in die Wege. Doch kurz davor stirbt die Mutter – die Polizei deutet der Direktorin gegenüber einen Suizid an. "Das hat uns völlig aus der Bahn geworfen. Wir haben wirklich Angst um den Buben gehabt", meint Bauer zum "Profil".

Jugendamt stoppt Kindesabnahme, Vater zieht weg

Das Jugendamt stoppt daraufhin die Kindesabnahme, weil die Familie Zeit zum Trauern benötige. Dies nutzt der Vater, um  zurück in sein Elternhaus am Land zu ziehen. Das Jugendamt untersagt Bauer den Kontakt zur neuen Schul-Direktorin. Bauer erfährt dennoch, dass der Bub an Flashbacks leidet. Er soll mit der sterbenden, im Badezimmer eingesperrten Mutter noch gesprochen haben soll, während der Vater mit den Geschwistern spazieren gewesen sei.

"Profil" fragte bei der Sprecherin der MA 11, Ingrid Pöschmann, um eine Stellungnahme an. Diese kann zu Einzelfällen keine Auskunft geben, meint aber: "Natürlich werden Prioritäten gesetzt: Wo muss man sofort ausrücken? Wo brauchen wir die Polizei? Wo genügt vorerst ein Telefonat? Aber es bleibt keine Anzeige liegen. Wir haben österreichweit die strengsten Standards, reden mit allen Beteiligten. Es gibt Hausbesuche, Erhebungen an Schulen und Kindergärten, fachliche Gesprächsrunden. So tasten wir uns heran." Pöschmann verweist zudem auf das "Beschwerdemangagement" der MA 11: Falls die Schulleitung nicht mit der Regionalleitung zurecht komme, könne sie dies melden.

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