Sie flüchtete mit nichts als einer Handtasche und einem Rucksack vor den Angriffen russischer Truppen. Chana, eine Jüdin aus Dneprpetrovsk, schaffte es zunächst nach Lviv. "Wir hatten eine sehr schwierige Flucht mit kleinen Kindern und einer hochschwangeren Frau in einem überfüllten Zug." Im Abteil (5 Quadratmeter groß) waren 18 weitere Personen. "Die Menschen lagen zum Teil aufeinander."
Von Lviv ging es weiter zur ungarischen Grenze, ein Stück im Auto, fast 15 Kilometer zu Fuß. An der Grenze warteten Freiwillige, die Betten bereitstellten. "Auf diesen Betten schlafen Menschen im Schichtbetrieb, einer nach dem anderen."
Dann die Rettung: Chana wird per Auto nach Wien gebracht. Hier kümmert sich die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) gemeinsam mit jüdischen Institutionen um derzeit 200 jüdische Geflüchtete aus der Ukraine. Die Hälfte davon sind Babys und Kinder. Seit Tagen ist die IKG massiv in der Flüchtlingsbetreuung engagiert, schickt Fahrer mit Bussen zu den Grenzen, um Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen.
Sie werden in Wien kostenlos in privat finanzierten Quartieren untergebracht, medizinisch und psychosozial betreut. Kinder werden in eigens eingerichteten Schulklassen auf Russisch unterrichtet. Dutzende Freiwillige befinden sich im Einsatz, denn im Judentum heißt es: "Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte."
Die meisten Flüchtlinge kommen mittellos an, erhalten finanzielle Unterstützung, bis sie in die Grundversorgung kommen. "Wir kannten hier niemanden und sind empfangen worden wie von der eigenen Familie", bedankt sich Chana. Wer unterstützen oder spenden will: www.ikg-wien.at/ukraine-hilfe