Startschuss im Prozess um den höchsten Schadenersatz, der in Österreich je bezahlt wurde: Schubhäftling Bakary J. (41) wurde 2006 von vier Polizisten fast totgeprügelt. Jetzt rechnet er ab.
: Schubhäftling Bakary J . (41) wurde 2006 von vier Polizisten fast totgeprügelt. Jetzt rechnet er ab.
Weil er sich 2006 gegen seine Abschiebung nach Ghana wehrte, haben ihn vier zornige WEGA-Cops in einer Lagerhalle gefoltert. Sie fuhren ihn mit einem Auto an, machten ihm Todesangst ("Knie nieder. Wir haben den Auftrag, dich zu killen"), zertrümmerten seinen Schädel und zertraten sein Ego.
Bakary J. (41) ist noch immer im Land und mit einer Österreicherin verheiratet (zwei Kinder). Aber die Marter hat den Afrikaner bleibend versehrt. Bis heute braucht er Schmerzmittel. Schlimmer noch die psychischen Folgen: Der gestandene Mann hat das Selbstwertgefühl eines Wurms. Ist er allein, schütteln ihn Panikattacken. Berührt man im Gespräch seinen Arm, zuckt er entsetzt zurück. Diffuse Ängste lassen ihn keine Nacht durchschlafen: "Ich bin fertig und kann seit acht Jahren nicht mehr arbeiten."
Am Dienstag begann im Wiener Justizpalast die Abrechnung des Polizei-Opfers mit der Republik: Unterstützt von Juristin Susanne Kurtev fordert Bakary J. in einer Amtshaftungsklage Rekord-Schadenersatz - 384.000 Euro plus einer monatlichen Rente von 1.000 Euro brutto (Höchstwert bisher: 270.000 Euro für ein Unfallopfer).
Resultat der ersten Runde: Ein weiteres Gutachten (drei liegen bereits vor) soll den erlittenen Schaden bewerten. Im Regressweg will sich die Republik dann das zugestandene Geld bei den schuldigen Polizisten zurückholen.