Studie: Airbnb blockiert 2.000 Mietwohnungen

Mit etwa 8.600 Airbnb-Unterkünften hat sich die Zahl in den letzten drei Jahren verdreifacht. Dadurch stehen weniger Wohnungen zur Verfügung.

Die Online-Plattform Airbnb fing mit einer simplen Idee an: Menschen bieten Touristen ihre Räumlichkeiten für Übernachtungen an – Touristen können sie dann unkompliziert online buchen. Alles war auf einen sozialen Gedanken aufgebaut, so hätten Freundschaften geschlossen werden können und die Gastgeber würden im Gegenzug dazu irgendwann ihre Gäste in den jeweiligen Ländern besuchen.

Jetzt steht Airbnb in der Kritik, denn das ursprüngliche Konzept entwickelte sich zu einem einträglichen Geschäft für mehrfache Wohnungsbesitzer, die ihre Wohnungen an Touristen vermitteln. Allein Wien verzeichnet einen Anstieg von 561 Prozent an Einnahmen in den letzten drei Jahren. Studienleiter Dipl.-Ing. Roman Seidl und seine Kollegen von der TU-Wien lieferten eine umfassende Studie zur gegenwärtigen Situation.

Airbnb ist ein profitables Geschäft

Bei der Gegenrechnung Airbnb vs. klassische Vermietung sehen insbesondere Wohnungsbesitzer kleinerer Wohnungen klare finanzielle Vorteile. Je nach Bezirk, Gegend und gefordertem Preis pro Übernachtung beträgt das Plus zwischen 36 und 75 Prozent gegenüber normalen Mieteinnahmen.

Angesichts der Rentabilität überrascht es nicht, dass Eigentümer ihre Wohnungen in einer Touristen-Stadt wie Wien dauerhaft zur Verfügung stellen wollen. Die Frage ist: Wie wirken sich die Airbnb-Wohnungen auf die Mietpreise aus?

In allen Bezirken ist gegenüber den Mieteinnahmen ein erhebliches Plus ersichtlich. Wie etwa in Favoriten, wo die Mieten vergleichsweise niedrig sind, die Airbnb-Übernachtungskosten sich aber mit denen der zentral gelegenen Bezirke messen lassen. Noch ist dort eine ganzjährige Zurverfügungstellung wie in den tourismusstarken Bezirken kein Thema. Längerfristig sehen die Macher der Airbnb-Studie aber auch hier eine Tendenz zur dauerhaften Vermietung. Die Stadt wächst zusammen.

Führt Airbnb zur Verteuerung der Mietpreise?

Klaus Himpele, Leiter der städtischen Statistikabteilung (MA23), sieht die Lage noch entspannt. Gegenüber wien.orf.at beruhigte er besorgte Gemüter: Von 900.000 Wohnungen gäbe es 2.000 Wohnungen, die Wien dauerhaft als möglicher Wohnraum entzogen werden.

Dipl. Ing. Roman Seidl, Leiter der Analyse antwortet darauf: "Entsprechend der Angebotsverknappung steigt der Druck auf den Wohnungsmarkt und insofern auch die Mietpreise. In Favoriten ist auf jeden Fall was los, es ist aber schwer zu sagen, wie viele Wohnungen es sind und ab wann sich die Angebotsverknappung in der Praxis auf die Mietpreise auswirkt. Wir kriegen von Airbnb keine Daten, das erschwert unsere Arbeit."

Studienleiter Seidl betont gegenüber "Heute", dass die Situation nicht durchsichtig ist, weil Airbnb wichtige Daten nicht herausgibt. Er verweist aber auf die Automatismen des Wohnmarktes, die schon andere Städte zu Maßnahmen (Berlin, Barcelona, Paris etc.) gezwungen haben: "Sicher ist nur, dass es Auswirkungen gibt und geben wird. Damit können Airbnb-Wohnungen zu einem Motor von Gentrifizierung und Verdrängung aus zentralen Lagen werden. Wie etwa im Bereich Naschmarkt, Spittelberg und Karmeliterviertel." (bai)

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