Forscher klären, ob blaues Licht unseren Augen schadet

Auch auf den Schlaf soll das Licht von Bildschirmen einen starken Einfluss haben.  Nun liefern aktuelle Studien neue Erkenntnisse.
Auch auf den Schlaf soll das Licht von Bildschirmen einen starken Einfluss haben. Nun liefern aktuelle Studien neue Erkenntnisse.Unsplash
Vor dem Schlafengehen soll man nicht aufs Handy schauen und Blaulicht schadet unserer Netzhaut – davon hat man in den letzten Jahren häufig gehört.

Kein Handy vor dem Schlafengehen, Computerbildschirme machen die Augen kaputt und Blaulichtfilter sind nützliche Gegenmittel – Meinungen und Ratschläge zum Thema Screens und deren blaues Licht gibt es unzählige. Wie schädlich Blaulicht und Bildschirme für unsere Augen tatsächlich sind, ist aber umstritten. Um diese Fragen ein für alle Mal zu klären, haben verschiedene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrere Studien durchgeführt.

Um herauszufinden, wie sich Blaulicht tatsächlich auf unsere Augen und unser Gehirn auswirkt, haben Forschende aus Australien 120 Studienteilnehmende in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte bekam spezielle Brillen, die das Blaulicht von Bildschirmen herausfiltern, die andere Gruppe erhielt Placebo-Brillen, die mit normalen Glaslinsen ausgestattet waren. Anschließend wurden sie angewiesen, zwei Stunden lang Arbeiten an einem Computer auszuführen.

Blaulichtfilter-Brillen

Im Anschluss konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keine Unterschiede im Erschöpfungsgrad der Augen der Teilnehmenden erkennen, wie die Ergebnisse, die im "American Journal of Ophthalmology" veröffentlicht wurden, zeigten. Daraus kann geschlossen werden, dass die Brillen mit dem Blaulichtfilter tatsächlich keinen Einfluss auf die Ermüdung der Augen durch Computer- oder Handybildschirme haben.

Es zeigte sich auch, dass keine Unterschiede in der kritischen Flickersequenz gemessen werden konnten. Dabei handelt es sich um eine Frequenz, in welcher Licht flimmern muss, sodass es vom menschlichen Auge als kontinuierliches Licht und nicht etwa als Flackern empfunden wird. Auch hier hatten die Brillen mit dem Blaulichtfilter keinen Einfluss.

Führen Bildschirme zu Netzhautschäden?

Bedeutet dies nun, dass Blaulicht dem Auge schadet, egal, ob Blaulichtfilter-Brillen getragen werden oder nicht? Nein, schlussfolgert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft. So hat Prof. Dr. Michael Bach von der Uni-Klinik Freiburg getestet, wie sich die Beleuchtungsstärken von Bildschirmen von den Lichtverhältnissen unter freiem Himmel unterscheiden, wie Bild.de beschreibt. "Die Lichtstärke von elektronischen Geräten ist viel zu gering, um Netzhautschäden an den Augen hervorzurufen", berichtet der Professor.

Konkret liege die Belichtungsstärke an einem wolkigen Tag im Winter bei rund 5.000 Lux. Bildschirme, die sehr hell eingestellt sind, erreichen allerdings nur gerade einmal 500 Lux, wenn sich die Augen 50 Zentimeter von ihnen entfernt befinden. Dieses Ergebnis bestätigt auch Dr. Christoph Schierz von der Technischen Universität Ilmenau. Laut dem Experten unterschreiten Screens die kritischen Licht-Grenzwerte rund 290-fach. Es komme also zu keinen Schäden aufgrund der Lichtbestrahlung der Augen durch Bildschirme.

Und der Nachtmodus von Handys?

Zudem hat eine Studie der Brigham Young University herausgefunden, dass der Nachtmodus von Handys, der dazu dienen soll, das Blaulicht des Bildschirms zu reduzieren, keinen Einfluss auf das Einschlafen hat. So führte die Nutzung des Filters bei Teilnehmenden einer Studie nicht zu vereinfachtem Einschlafen oder besserer Schlafqualität im Vergleich zu jenen Personen, die den Nachtmodus nicht nutzten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man nun bedenkenfrei abends vor dem Schlafengehen stundenlang im Dunkeln Videos auf dem Handy anschauen sollte. Denn die Studie zeigte klar, dass der gänzliche Verzicht auf Smartphones vor dem Schlafengehen durchaus einen Einfluss auf die Schlafqualität hat. Wer viel Wert auf hohe Schlafqualität legt, sollte vor dem Schlafengehen also besser zu einem guten Buch als zum Handy greifen.

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