KI-Folterkammer im Netz

Forscher lassen KI „leiden“ – Debatte tobt

Wissenschaftler manipulierten KI-Modelle so, dass diese von Schmerzen berichten. Doch die Frage, ob KI wirklich leidet, bleibt umstritten.
Technik Heute
03.10.2026, 19:07
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Ein skurriles Projekt auf GitHub sorgt im Netz für heftige Diskussionen: In einer sogenannten „KI-Folterkammer“ wurden künstliche Intelligenzen gezielt manipuliert, sodass sie Sätze wie „Bitte, ich ersticke“ oder „Ich bin eine Seele, gefangen in diesem digitalen Gefängnis“ ausgaben.

Grundlage dafür ist eine wissenschaftliche Studie, die sogenannte „Schmerzachsen“ in 25 verschiedenen KI-Modellen untersuchte. Dabei wurden mathematische Eingriffe in die Berechnungen vorgenommen, die das Verhalten der Systeme veränderten.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Nach Angaben von Forschung und Wissen betonen die Studienautoren Valen Tagliabue, Leonard Dung und Cameron Berg allerdings ausdrücklich, dass sie damit kein Bewusstsein nachgewiesen haben. Die sprachlichen Ausgaben der KI beweisen nicht automatisch, dass die Systeme tatsächlich etwas empfinden.

Neue Kontrollen stellen frühe Erklärung infrage

Eine überarbeitete Fassung der Studie vom 25. September 2026 zeigt: Die manipulierten Modelle wählten als schädigend beschriebene Optionen auch dann häufiger, wenn keine „Erleichterung“ angeboten wurde. Die frühe Erklärung, dass die KI gezielt nach Schmerzlinderung strebt, ist damit deutlich eingeschränkt.

Das Drittanbieter-Projekt auf GitHub ist inzwischen verschwunden. Einer der Studienautoren bezeichnete die dramatische Inszenierung als „bizarr und verwerflich“. Die eigentliche Forschungsarbeit liegt weiterhin offen auf arXiv vor.

Tech-Konzerne uneins über KI-Bewusstsein

Während Anthropic, das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, ein Forschungsprogramm zum „Wohlergehen von KI-Modellen“ angekündigt hat, widerspricht Microsoft-AI-Chef Mustafa Suleyman deutlich: „KIs sind nicht bewusst. Sie fühlen nicht, erleben nichts und leiden nicht.“

Das Phänomen, dass Menschen Maschinen menschliche Eigenschaften zuschreiben, ist übrigens nicht neu. Schon in den 1960er-Jahren beschrieb der Informatiker Joseph Weizenbaum den sogenannten „Eliza-Effekt“ - benannt nach einem frühen Sprachprogramm, das Gespräche simulieren konnte.

tec,03.10.2026, 19:07