Es ist eine der spektakulärsten Forschungsmissionen der Gegenwart: Am Sonntag hat die Tara Polar Station ihre erste Reise von Lorient in der französischen Bretagne aus angetreten. Das Ziel: die Arktis. Dort wird sich das Schiff Anfang September vom Packeis einschließen lassen.
Dann beginnt das eigentliche Abenteuer. Die Tara Polar Station wird etwa ein bis anderthalb Jahre durch den Arktischen Ozean driften - mit einer Geschwindigkeit von rund 10 Kilometern pro Tag. Ende 2027 soll das Schiff sein Ziel erreichen: die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen.
Das berichtet heise online. Die Arktis ist stärker vom Klimawandel betroffen als jede andere Region der Welt. Die Mission soll klären, wie sich die Erwärmung auf Mikroorganismen auswirkt - ein bisher weitgehend unerforschtes Gebiet.
Im arktischen Winter werden 12, im Sommer 18 Personen an Bord leben. Etwa die Hälfte davon sind Wissenschaftler. Sie werden Wasserproben bis zu einer Tiefe von 2.000 Metern nehmen sowie Proben aus der Atmosphäre und aus Hohlräumen im Eis sammeln.
"Wenn wir verstehen wollen, welche Folgen die Erwärmung des Polarmeeres für das Funktionieren des gesamten polaren Ökosystems hat, müssen wir untersuchen, wie Mikroorganismen am Anfang der Nahrungskette auf die extremen Veränderungen reagieren", erklärte Georg Pohnert von der Universität Jena.
Die Tara Polar Station wurde von der französischen Meeresforschungsorganisation Fondation Tara Ocean in Auftrag gegeben. Der Rumpf aus Aluminium ist 26 Meter lang und 16 Meter breit. Darauf sitzt ein Aufbau, der von der Form her an ein Iglu erinnert.
Das Schiff wurde im April 2025 in Betrieb genommen und bereits im Eis getestet. An dem Projekt sind über 30 Forschungseinrichtungen aus zwölf Ländern beteiligt, darunter aus Frankreich, Deutschland, Spanien und der Schweiz.
Vorbild für die Mission ist die legendäre Fram-Expedition von Fridtjof Nansen aus dem Jahr 1893. Der norwegische Forscher ließ sich damals mit seinem Schiff im arktischen Meereis einschließen, um den Nordpol zu erreichen.