Für eine Studie haben Wissenschafter einen Igel mit Markierungen behängt wie einen Weihnachtsbaum. Deshalb konnte sich das Tier nicht mehr einrollen und verstarb.
Igel "Russet" kam in die Auffangstation für wilde Igel im britischen Oxton, ist er dehydriert, untergewichtig und hat mehrere gebrochene Zehen an einer Pfote. Zudem stecken 26 Markierungen und ein Peilsender zwischen seinen Stacheln. Trotz Bemühungen, ihn aufzupäppeln, kann die Pflegerin Lyna Britchford nichts mehr für das Tier tun.
"Als ich den Igel gesehen habe, sah er ehrlich gesagt so aus, als sei er das Opfer eines schlechten Witzes", zitiert "" die Mitarbeiterin der Tierklinik. Das trifft es aber nicht ganz: Russet war einer der Igel, den die Nottingham Trent University für eine Studie markiert hatte.
In acht Tagen massiv abgemagert
Britchford hakte bei den Forschern nach und erfuhr, dass das Befinden der Igel in der Versuchsreihe nur alle drei bis vier Tage untersucht wird. "Das ist eine sehr lange Zeit", sagt sie. Der Igel habe innerhalb von acht Tagen knapp 30 Prozent seines Körpergewichts verloren. "Wenn man den Check früher gemacht hätte, wäre es ihm vielleicht nicht so schlecht gegangen, als er hier ankam."
Die Plastik-Markierungen werden offenbar mit einer Heißluftpistole an der Wirbelsäule der Igel befestigt. Bei Russet sollen es so viele gewesen sein, dass er sich nicht mehr zusammenrollen konnte. Auf diese Weise schützen sich die Tiere normalerweise gegen Angriffe von Feinden. Und auch für den Winterschlaf verwandeln sich Igel so in eine Art stachelige Kugel.
"Solche Studien sollten verboten werden"
Eine Ärztin des Vale-Wildlife-Tierspitals macht den Forschern grosse Vorwürfe. Der Peilsender sei eindeutig viel zu gross für einen Igel und bringe die Tiere in Schwierigkeiten: "Das Tier könnte irgendwo hängen bleiben oder nicht mehr unter Hecken und Zäunen durchkommen." Ihrer Meinung nach sollte man derartige Studien verbieten.
Die britische Igelschutz-Gesellschaft hingegen verteidigt die Wissenschaftler und deren Studie, die sie zum Teil mitfinanziert hat. Das Wohlbefinden der Tiere sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet, heisst es. Die Universität selbst schrieb in einer Stellungnahme: «Die Tiere werden nicht behindert und können ihren Aktivitäten – wie fressen und sich fortpflanzen – in normaler Weise nachgehen."