Forscher warnen eindringlich vor Social Media

Eine Gefahr für die Demokratie und den wissenschaftlichen Fortschritt – so dramatisch schlussfolgern Forschende in einer neu veröffentlichten Studie.

Die sozialen Medien sind unsere ständigen Begleiter. Mit ihrer Hilfe halten wir Kontakte zu Freunden und Bekannten, sie spielen aber auch eine wichtige Rolle dabei, wie wir uns Meinungen bilden und wie wir an Informationen kommen. Dass dies mitunter einen negativen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben kann, ist bekannt. Nun haben sich aber nicht Psychologen und Soziologinnen kritisch gegenüber Social Media geäussert, sondern Forschende aus den Bereichen Biologie und Ökologie.

In einer neuen Studie, die im wissenschaftlichen Magazin "PNAS" veröffentlicht wurde, haben sich 17 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den verschiedensten Fachbereichen zusammengetan und die Auswirkung der neuen Technologie auf die Gesellschaft als Ganzes betrachtet. Dabei haben sie die Forschung als "Krisendisziplin" bezeichnet. In der Wissenschaft wird damit ein Fall benannt, in welchem schnell gehandelt werden muss, um größeres Unheil zu verhindern. Normalerweise wird dieser Begriff beispielsweise verwendet, wenn es darum geht, eine bedrohte Spezies vom Aussterben zu bewahren.

Gravierende Auswirkungen

In ihrer Studie argumentieren die Forschenden, dass wir zu wenig Verständnis über den Einfluss von Social Media auf das Verhalten der Gesellschaft als Ganzes besitzen und dass dies eine Gefahr für die Demokratie und den wissenschaftlichen Fortschritt darstellt. Als Beispiel listen sie die Corona-Pandemie auf. Die großen Tech-Unternehmen seien einfach durch die Pandemie hindurchgestolpert, ohne die sogenannte "Infodemic" und die Verbreitung von Falschinformationen auf irgendeine Art und Weise stoppen zu können. Dies habe zu einer weiten Verbreitung der Masken- und Impf-Verweigerung geführt.

Die Autorinnen und Autoren warnen davor, was passieren könnte, wenn solche Mechanismen weiterhin unkontrolliert bleiben. "Im schlimmsten Fall könnte dies zu Phänomenen wie der Manipulation von Wahlen, der Verbreitung von Krankheiten und gewaltsamem Extremismus, Hungersnot, Rassismus und Krieg führen", so die Forschenden.

"Die Zeit läuft uns davon"

Carl Bergstrom, Biologieprofessor an der University of Washington, beschreibt die Publikation auf Twitter als eine der wichtigsten, die er jemals veröffentlicht hat. "Das Paper zeigt auf, dass es ein massives Problem gibt und dass bei uns die Alarmglocken läuten sollten. Wir müssen das Problem lösen und wir haben nicht viel Zeit", sagt der Wissenschaftler zu Vox.com.

Das Problem, so Bergstrom, liege vor allem darin, dass bei Social Media alles von Algorithmen und klick-basierter Werbung kontrolliert werde. Dies führe dazu, dass sich die Art und Weise, wie Menschen an Informationen kommen, grundsätzlich verändert habe. "Tatsächlich scheint dies auf eine Art passiert zu sein, auf der die Leute viel verletzlicher und anfälliger darauf sind, Falschinformationen zu verbreiten."

"Ich hoffe sehr, dass das Paper zu den Leuten durchdringen wird", so Bergstrom. Im besten Fall ergebe sich eine transdisziplinäre Zusammenarbeit, mit welcher gemeinsam eine Lösung für dieses große Problem gefunden werden kann. "Denn die Zeit läuft uns davon."

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