Die FPÖ hat am Montagvormittag ihr erstes Plakat für die Wien-Wahl am 11. Oktober 2015 präsentiert. Herzstück ist einmal mehr die Positionierung von Heinz-Christian Strache als Möchtegern-Bürgermeister für Wien und die Abwahl von Rot-Grün. Für seine angekündigte Oktober-"Revolution" erntet der blaue Parteichef viel Spott.
Die FPÖ hat am Montagvormittag ihr erstes Plakat für die als Möchtegern-Bürgermeister für Wien und die Abwahl von Rot-Grün. Für seine angekündigte Oktober-"Revolution" erntet der blaue Parteichef viel Spott.
Ziemlich krass geht die FPÖ den Wien-Wahlkampf an: Auf dem Plakat der ersten Serie lächelt HC Strache und ruft die Oktober-"Revolution" für Wien aus. "Wien tauscht Häupl gegen HC Strache und nimmt für RotGrün süße Rache" ist zu lesen. Das Wort Revolution - in Anspielung auf die Wahlen im Oktober - hat der blaue Parteichef unter Anführungszeichen gesetzt, was auf Twitter für Fragezeichen sorgte.
"Was die Stadt dringend braucht"
Strache sprach bei der Pressekonferenz am Montag gemeinsam mit FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl und FPÖ-Landesparteisekretär Anton Mahdalik von einer friedlichen Revolution der Wähler gegen Bürgermeister Michael Häupl und Grünen-Chefin Maria Vassilakou am 11. Oktober. "Das ist es, was die Menschen in dieser Stadt wollen, das ist es, was diese Stadt dringend braucht."
Gegen "Polit-Aristokratie"
Wien müsse "aus den Fängen einer abgehobenen, selbstgerechten Polit-Aristokratie, die schon längst nicht mehr wisse, was die Menschen in der Bundeshauptstadt bewege und worüber sie sich sorgten" befreit werden. "Die SPÖ Wien ist inländerfeindlich, generationenfeindlich, wohlstandsfeindlich", sagte Strache.
"Möglich, dass ich Bürgermeister werde"
Der FPÖ-Chef bringt sich einmal mehr im Bürgermeisterrennen in Position: "Es ist sehr wohl möglich, dass ich Bürgermeister von Wien werde, wenn Häupl am 11. Oktober das legendär schlechteste Ergebnis für die SPÖ einfährt."
"Man sagt uns ja jetzt schon ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Noch vor Jahren wäre man für so eine Prognose ausgelacht worden. Aber die Verhöhnung des Wählerwillens wird Gottseidank zunehmend abgestraft", kündigte Strache Häupl einen spannenden Kampf an. "Wir sind die Antwort der Bevölkerung auf die nicht gelösten Fragen der Zeit."
Ziel ist die Bundesregierung
Als Bürgermeister wolle Strache beweisen, "dass wir positive Regierungspolitik im Interesse der Menschen machen. In einem nächsten Schritt, bei der Nationalratswahl, wollen wir zur stärksten politischen Kraft im Land werden, dann werden wir im Bund Regierungsverantwortung übernehmen."
Bekannte FPÖ-Themen im Wahlkampf
Im Wahlkampf kommen auf die Wiener bekannte FPÖ-Themen zu: Asyl, Sicherheit, Arbeitsplätze, Wohnen, Gesundheit, Familien, Stadtfinanzen, Bildung, Verkehr und Direkte Demokratie. Strache: "Wir werden in diesem Wahlkampf auf Inhalte setzen. Das Dirty Campaigning überlassen wir unseren Mitbewerbern." Das genaue Wahlprogramm werde demnächst in einer eigenen Pressekonferenz vorgestellt.
NEOS: "Filz bleibt"
Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. NEOS Wien-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger zu dem Plakat: "Was für eine Revolution soll Strache bringen? Er ist nicht gegen das System, sondern Teil des Systems, wie er seit einem Vierteljahrhundert in der Wiener Politik beweist. Das kann nur eine Potemkinsche Revolution sein: Filz und strukturelle Korruption bleiben hinter der Pappfassade bestehen".
ÖVP: "Auf den Spuren Lenins?"
"Während die SPÖ die von ihr mitverursachten Missstände in Wien plakatiert, nimmt die FPÖ nun Anleihen bei kommunistischen Revolutionen. Das ist fokussierte Unintelligenz hoch drei", ließ ÖVP Wien-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch wissen. "Die Russland-Connection der FPÖ ist ja bekannt, eine Hinwendung zu bolschewistischem Gedankengut wäre aber neu. Die Oktoberrevolution hatte das Ziel der 'Diktatur des Proletariats'. Ist es das, was die FPÖ möchte? Strache wandelt auf den Spuren von Lenin".
KPÖ: "Donald Duck oder Pokemon"
Im selben Sinne macht sich die KPÖ über die Freiheitlichen lustig. Man lehnt einen "Mitgliedsantrag" von Strache ab, er sei "nicht willkommen". Allerdings sei eine derartige Mutation nicht wahrscheinlich, "sehr viel eher erwarte ich seine Mutation in Donald Duck oder in einen Pokemon", so Didi Zach, Gemeinderatskandidat von Wien Anders und Sprecher der KP Wien. Er ist sicher: "Die FPÖ wird in Wien nicht stimmenstärkste Partei."
Unter "Oktoberrevolution" versteht man historisch die gewaltsame Machtübernahme durch die russischen kommunistischen Bolschewiki ab dem 25. Oktober/ 7. November 1917. Sie beseitigte die aus der Februarrevolution hervorgegangene Doppelherrschaft aus sozial-liberaler Übergangsregierung und den Sowjets und errichtete einen neuen Staat, der sich selbst als "Diktatur des Proletariats" verstand.