Frankreich-Sieger Macron Vorbild für Kurz und Kern

Marine Le Pen gegen Emmanuel Macron: Showdown um die Macht in Paris: Was Frankreichs Stichwahl mit Österreich zu tun hat (sehr viel nämlich) - eine Analyse.

Das Duell um Frankreich wird zum Match eine gegen alle. Rechtspopulistin Marine Le Pen gegen den in Wolle gefärbten Ex-Sozialisten Emmanuel Macron in der Stichwahl. Und alle (!) Verlierer von gestern - vom konservativen François Fillon bis zum linken Exzentriker Jean-Luc Mélenchon - haben angekündigt, nun eine Wahlempfehlung für den parteilosen Macron abzugeben. Sein Sieg am 7. Mai ist wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher.

Hier geht es zum Ergebnis der gestrigen Wahl

Als Zaungäste bei der Wahl dabei: Österreichs Politik. Denn das, was in Frankreich derzeit passiert, könnte eine Blaupause für die nächste Nationalratswahl in Österreich sein. Aus mehreren Gründen:

- Mit Marine Le Pen tritt die Chilli-Version von Heinz-Christian Strache (FPÖ) an. Eine politische Scharfmacherin greift nach der Macht in Paris. Prognose: Erfolglos. Das Vorbild Trump hat auch Europas Fans von Rechtspopulisten verschreckt. Mehr zu Marine Le Pen

- Mit Emmanuel Macron geht ein Favorit ins Rennen (laut Umfragen holt er 61 Prozent), der Europas Politik nachhaltig verändern könnte (wenn er gewinnt). Ein schlaksiger, wendiger, linker Populist. Als er erkannte, dass mit Parteien nichts zu gewinnen ist, gründete er seine eigene Bewegung, "En Marche", auf dem Vormarsch. Mehr zu Emmanuel Macron

Warum das für Österreich interessant ist? Weil er gleich für zwei potentielle Kandidaten fürs Bundeskanzleramt zum Vorbild werden könnte:

- Für Christian Kern (SPÖ), den mit Macron optisch (bis hin zum Slim-Fit-Anzug) und politisch viel verbindet. Macron kommt aus dem sozialistischen Lager, war (wie Kern) in roten Jugendorganisationen, er war ebenfalls Manager (Banker bei Rothschild), liebt die Bühne, soziale Medien, inszeniert sich als sanfter Reformer.

- Für Sebastian Kurz. Tritt die ÖVP-Hoffnung tatsächlich bei der nächsten Nationalratswahl an, dann wohl ebenfalls getragen von einer Bewegung, einer Plattform, weniger von der Partei, der er harte Zugeständnisse abringen wird, wenn sie ihn aufstellt. Nicht zu vergessen. Macron ist erst 39, Kurz 30, wir reden von derselben politischen Generation.

- Für beide: Kern und Kurz können sich abschauen, wie man mit einer rechten Populistin zurande kommt.

Einzige Schwachstelle des Konzepts: Ob wir einen Christian Macron oder einen Sebastian Macron bekommen (oder doch einen Marine Le Strache) entscheiden am Ende dann doch Österreichs Wähler. Und das ist gut so.

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