Franz Welser-Möst kehrt Staatsoper den Rücken

Dirigent Franz Welser-Möst hat seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper erklärt. Künstlerische Differenzen sind der Grund für seine Entscheidung. Seine Tätigkeit währte nur vier Jahre. Im Herbst 2010 war der österreichische Dirigent an der Seite von Dominique Meyer angetreten, im Jänner 2012 war sein Vertrag bis 2018 verlängert worden.

Dirigent hat seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper erklärt. Künstlerische Differenzen sind der Grund für seine Entscheidung. Seine Tätigkeit währte nur vier Jahre. Im Herbst 2010 war der österreichische Dirigent an der Seite von Dominique Meyer angetreten, im Jänner 2012 war sein Vertrag bis 2018 verlängert worden.

"Es gibt Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses, die nicht von heute auf morgen entstanden sind. Dominique Meyer ist als Direktor die Nummer eins. Er ist ein sehr netter Mensch und hat in künstlerischen Dingen andere Meinungen. Das steht ihm auch zu. Aber dann muss ich die Konsequenzen ziehen", begründete Franz Welser-Möst seinen Rücktritt. Die Auffassungsunterschiede seien auch in mehreren Gesprächen nicht aufzulösen gewesen.

"Er hat nichts gesagt"

"Ich habe den Direktor heute Früh um 10 Uhr persönlich davon informiert und ihm auch mein Rücktrittsschreiben überreicht. Er hat gefasst und ruhig reagiert. Er hat nichts gesagt", so Welser-Möst. Über Details der künstlerischen Differenzen wolle er nicht sprechen. "Da geht es um Sänger und Dirigenten, da geht es um den ganzen Bereich, der die künstlerische Ausrichtung des Hauses ausmacht."

So reagierte Opern-Direktor Dominique Meyer

"Das ist natürlich ein großer Verlust - und auch persönlich tut mir dieser Schritt sehr leid, denn ich schätze Franz Welser-Möst als Künstler und Dirigenten sehr. Meine Sorge und erste Aufgabe ist es nun, so rasch wie möglich adäquaten Ersatz für die Aufführungen zu finden, die er 2014/2015 an der Wiener Staatsoper hätte dirigieren sollen: immerhin 34 Vorstellungen, darunter die zwei mit ihm geplanten Premieren von Rigoletto und Elektra."

Welser-Möst will jetzt "Abstand gewinnen"

Er legt zudem und Neuproduktionen zurück. Dass er gleichzeitig mit seinem Rücktritt als Generalmusikdirektor auch seine Dirigate zurückgelegt habe, begründete er damit, "Abstand gewinnen" zu müssen. "Das kann ich aber nicht, wenn ich ihm Haus bin. Glauben Sie mir: Das ist eine für mich sehr schmerzliche Entscheidung. Gerade nach diesem besonders glücklichen 'Rosenkavalier' in Salzburg fällt es mir nicht leicht, auf die weitere Zusammenarbeit mit diesem Orchester (die Wiener Philharmoniker stellen das Staatsopernorchester, Anm.) zu verzichten."

"Völlig überrascht" reagierten die Wiener Philharmoniker auf den Rücktritt. "Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich", so der seit Monatsbeginn amtierende Vorstand der Philharmoniker, Andreas Großbauer. "Die Entscheidung trifft die Wiener Staatsoper zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt - am Saisonbeginn."

Der Dirigent war für die Saison 2014/15 insgesamt 34 Mal am Pult der Wiener Staatsoper vorgesehen, allen voran für die Neuinszenierungen von Verdis "Rigoletto" (Premiere am 20. Dezember) und von Richard Strauss' "Elektra" (Premiere am 29. März 2015) sowie bei der Ballettpremiere "Verklungene Feste / Josephs Legende" (4. Februar 2015). Zudem sollte er ab November erneut für Leos Janaceks "Das schlaue Füchslein" und ab Dezember für Verdis "La Traviata" und auch für "Die Zauberflöte für Kinder" mit den Wiener Philharmonikern zum Taktstock greifen.

"Habe ja nichts gegen Wien"

Mit dem Cleveland Orchestra, dessen Chefdirigent Welser-Möst ist, wird er jedenfalls programmgemäß seine Tournee absolvieren und am 13. September in Linz sowie in den Tagen darauf auch im Rahmen einer Residenz Konzerte im Wiener Musikverein und im Konzerthaus bestreiten. "Ich habe ja nichts gegen Wien."

Welser-Möst kann Zähne zeigen

Dass der meist konziliant erscheinende Welser-Möst durchaus Zähne zeigen kann, hat er in der Vergangenheit öfter bewiesen. So hatte er im Dezember 2012 den Salzburger Festspielen seine Mitwirkung an einem zentralen Projekt der Jahre 2013, 2014 und 2015 - einem dreijährigen Mozart-Da Ponte-Zyklus - abgesagt. Der Hauptkritikpunkt waren die zu kurzen Abstände zwischen den Aufführungen. Die Stimmung zwischen ihm und Festspielchef Alexander Pereira kühlte daraufhin merklich ab.

Seite 2: Welser-Mösts Leben

Dirigent hat seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper erklärt. Künstlerische Differenzen sind der Grund für seine Entscheidung. Seine Tätigkeit währte nur vier Jahre. Im Herbst 2010 war der österreichische Dirigent an der Seite von Dominique Meyer angetreten, bereits im Jänner 2012 war sein Vertrag bis 2018 verlängert worden.

Geboren wurde Welser-Möst am 16. August 1960 als Franz Möst in Linz. Ursprünglich wollte er Geiger werden, die Folgen eines Autounfalls verbauten ihm diesen Weg. Er gab 1985 sein Debüt als Dirigent bei den Salzburger Festspielen, ein Jahr später hob die internationale Karriere mit dem Debütkonzert beim London Philharmonic Orchestra an, dessen Musikdirektor er in Folge von 1990 bis 1996 wurde. In den USA dirigierte er erstmals 1989 beim Saint Louis Symphony Orchestra. An der Zürcher Oper stand er erstmals 1992 (Richard Strauss' "Rosenkavalier") am Pult und brachte als Musikdirektor (ab 1995) 27 Neuproduktionen hervor. Unter seiner Leitung erhielt das Zürcher Orchester die Auszeichnung "Orchester des Jahres 2000/01" in der Umfrage der Zeitschrift "Opernwelt".

2005 übernahm er dort die neue Stelle des Generalmusikdirektors, aus dieser schied er im Sommer 2008 jedoch aus, um sich den Vorbereitungen für Wien widmen zu können. 2002 übernahm der Dirigent, der mit praktisch allen großen Orchestern zusammengearbeitet und in allen Metropolen der Musikwelt dirigiert hat, das renommierte Cleveland Orchestra, im selben Jahr wurde er von der Musikzeitschrift "Musical America" zum "Conductor of the Year 2003" gewählt.

Auch als Dirigent des Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker war Welser-Möst in seiner Zeit als Generalmusikdirektor gleich zweimal zu erleben. Erstmals dirigierte er das Klassikevent 2011, 2013 folgte ein Dacapo. Welser-Mösts Vertrag als Chefdirigent des Cleveland Orchestra läuft bis 2018.

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