Vor mehr als zwei Wochen stürzte die Textilfabrik nahe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka ein. Seidem erhöht sich die Opferzahl täglich. Inwischen ist sicher, dass über 1.000 Leute bei dem Gebäudekollaps starben. Die Hoffnungen auf Überlebende zu stoßen war nur noch sehr gering. Bis jetzt.
. Seidem erhöht sich die Opferzahl täglich. Inwischen ist sicher, dass über 1.000 Leute bei dem Gebäudekollaps starben. Die Hoffnungen auf Überlebende zu stoßen war nur noch sehr gering. Bis jetzt.
16 Tage nach dem Einsturzdrama stießen die Hilfskräfte auf eine Überlebende verkündete Feuerwehrchef Ahmed Ali stolz. Schon längst baggerte man mit schwerem Gerät in den Trümmern des nahezu pulverisierten Hauses. Doch dann hörten die Helfer gegen 15 Uhr Ortszeit Stöhnen aus dem Erdgeschoß des ehemals achtstöckigen Gebäudes. Sofort wurden die Baggerarbeiten eingestellt und die Einsatzkräfte versuchten zu der Frau vorzudringen. Nach 1.043 geborgenen Toten konnte man Reshma Begum um 4.25 Uhr nur leicht verletzt aus dem ehemaligen Erdgeschoß befreien. Die Helfer versorgten Begum zunächst mit Keksen und Wasser, danach wurde sie sofort ins Spital gebracht.
Den bis Freitag letzten Überlebenden hatten die Einsatzkräfte am 28. April gefunden, vier Tage nach der Katastrophe. Die Textilarbeiterin konnte jedoch schließlich nicht gerettet werden, weil beim Versuch, sie zu befreien, ein Feuer ausgebrochen war.
Zumindest eine der verzweifelten Familien, die auf Nachrichten vom Ort der Tragödie warten, können nun ihre Schwester und Tochter wieder in die Arme schließen. Tausende andere Verwandte harren weiter angstvoll aus, denn wenn eine Person lebend geborgen wurde, dann könnte auch ihr verschollenes Kind oder ihre vermisste Frau und Mutter noch lebend unter den Trümmern liegen.
1.006 Leichen bisher geborgen - teilweise schon stark verwest
Bisher seien 1.006 Leichen geborgen worden, sagte Armeesprecher Shahnewaz Zakaria am Freitag. Einige Tote seien bereits stark verwest gewesen und hätten nur aufgrund von Mobiltelefonen in ihren Taschen oder Arbeitsausweisen identifiziert werden können. Die meisten Toten seien Frauen. Mindestens 150 Leichen, deren Identität nicht geklärt werden konnte, wurden laut Zakaria in anonymen Gräbern auf einem staatlichen Friedhof bestattet.
Besitzer und Verantwortliche festgenommen
Das Hochhaus nahe der Hauptstadt Dhaka, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich etwa 3.000 Menschen darin aufgehalten haben. 2.437 Menschen wurden nach offiziellen Angaben lebend geborgen. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. 18 Textilwerke in Bangladesch wurden nach der Katastrophe aus Sicherheitsgründen geschlossen, Das Unglück hatte erneut ein Schlaglicht auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Fabriken geworfen, in dem vor allem Frauen für einen sehr geringen Lohn arbeiten.
Auch Kik produzierte in Unglücksfabrik
In dem am 24. April eingestürzten achtstöckigen Gebäude hatten auch europäische Firmen produzieren lassen - unter ihnen der deutsche Textildiscounter Kik. Das Unternehmen räumte den Bezug von Kleidung aus der Fabrik bis kurz vor der Katastrophe ein. Nach Medienberichten über Funde von Kik-Kleidung in den Trümmern erklärte die Handelskette am Mittwoch, dass ein Importeur des Unternehmens bis Anfang des Jahres dort produziert habe.
Meist überleben Verschüttete nur kurz
Menschen, die in den Trümmern eingestürzter Gebäude eingeschlossen sind, überleben meist nur eine kurze Zeit. Die meisten Geretteten werden innerhalb von 24 Stunden aus dem Schutt geholt. Ein Mensch kann nur etwa drei Tage ohne Trinken überleben. Nur wenn Verschüttete Zugang zu Flüssigkeit haben, haben sie auch danach noch eine Überlebenschance.
Rekord: Pakistani hielt zwei Monate lang unter Trümmern durch
Wie jetzt in Bangladesch haben Menschen aber sogar wochenlang unter Trümmern überlebt. Als "Wunder" wurde 1977 die Rettung eines 19-jährigen Rumänen bezeichnet, der elf Tage nach einem Erdbeben in Bukarest lebend geborgen wurde. Eine Frau in Pakistan überlebte nach einem Beben im Jahr 2005 mit Essensresten und Regenwasser sogar mehr als zwei Monate unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses.
APA/red.