Frau in Rollstuhl wartet seit Monaten auf ihr Geld

Das Warten auf's Pflegegeld wird zur nervlichen Belastung für Tanja K. (35) und ihre Tochter (10).
Das Warten auf's Pflegegeld wird zur nervlichen Belastung für Tanja K. (35) und ihre Tochter (10).Bild: Michael Strobl

Tanja K. (35) sitzt im Rollstuhl. Die alleinerziehende Mutter ist verzweifelt, sie wartet seit Monaten auf Geld der PVA, das ihr laut Gerichtsurteil eigentlich zusteht.

"Bislang konnte ich meine Rechnungen noch von rückwirkenden Zahlungen des Rehagelds begleichen. Wie es nächsten Monat aber weitergeht, wenn das dann endgültig wegfällt, weiß ich noch nicht", ist Tanja K verzweifelt.

2018 wurde der 35-jährigen Linzerin ein sehr seltener und auch unter Medizinern kaum bekannter Gen-Defekt diagnostiziert.

"Weltweit sind davon nur 100 Fälle bekannt", so die Mutter einer zehnjährigen Tochter. Die Alleinerziehende hat mit einer zunehmenden Muskel- und Immunsystemschwäche zu kämpfen, die sie arbeitsunfähig macht. Ihr wurde mittlerweile eine Berufsunfähigkeitspension zugesprochen, dafür das Rehageld gestrichen. Auf die Auszahlung ihrer Pension wartet sie aber noch.

Ohne Pflegehilfe Alltag nicht zu meistern

2019 schritt die Krankheit dann so weit voran, dass Tanja K. mittlerweile an den Rollstuhl angewiesen ist. Alleine, ohne eine Pflegehilfe, ließe sich der Haushalt, die Behördengänge, also der Alltag nicht mehr meistern, erzählt sie.

September 2018 suchte K. um Pflegegeld an. Drei Monate später kam eine Gutachterin ins Haus. Sie stellte Pflegestufe 1 fest. Doch die PVA lehnte trotz Gutachtens den Antrag auf Pflegegeld ab. Der errechnete Pflegebedarf sei zu gering, um ein Pflegegeld zu gewähren, so die Begründung des Bescheids.

Tanja K. ging schließlich vor Gericht. Nicht das erste Mal. Auch das Rehageld musste sie zuvor über den juristischen Weg erkämpfen. Ein Jahr lang dauerte das an, wie K. erzählt.

Pflegegeld gerichtlich zugesprochen, aber noch kein Bescheid

Ende Oktober 2019 fand am Landesgericht Linz die Verhandlung über das Pflegegeld statt. Dort kam man zum Ergebnis, dass der 35-Jährigen "ab 1.4.2019 Pflegegeld der Stufe 3 im gesetzlichen Ausmaß zu gewähren" sei. Der gesundheitliche Zustand der Linzerin hatte sich rapide verschlechtert, zwang sie in den Rollstuhl.

Jetzt, drei Monate später, plagen Tanja K. Existenzängste. Bislang wurde kein Cent Pflegegeld ausbezahlt, dabei wartet der Pflegedienst dringend auf sein Geld. "Heute" fragte bei der PVA nach, warum es bislang zu keiner Auszahlung kam und erhielt folgende Auskunft.

"Die Ausfertigung des Urteils ist bisher noch nicht in der zuständigen Landesstelle eingetroffen. Sobald diese vorliegt, kann die Zuerkennung des Pflegegelds umgehend durchgeführt werden", so die PVA per Mail an die "Heute"-Redaktion.

Gemeint ist damit das Urteil vom Verfahren am Landesgericht Ende Oktober, bei dem das Pflegegeld der Stufe 3 zugesprochen wurde.

Auswirkungen auch auf Sozialversicherung

Es kommt aber noch schlimmer. Dass es offenbar noch kein schriftliches Gerichtsurteil und damit auch keinen Bescheid der PVA gibt, wirkt sich auch auf die Krankenkasse aus.

Aufgefallen war das, als die zehnjährige Tochter von Tanja K. Medikamente aus der Apotheke brauchte und plötzlich Rezeptgebühren zu bezahlen waren. Weitere anfallende Kosten für die schwer angeschlagene Familie.

Eine positive Nachricht aber gibt es dennoch: Wie die PVA mitteilt, ist der Bescheid der Berufsunfähigkeitspension bereits auf dem Weg, soll in den kommenden Tagen zugestellt werden.

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