Die Hoffnungen einer Steirerin, endlich die große Liebe gefunden zu haben, wurden mehr als nur bitter enttäuscht. Um ihrem vermeintlichen Lebensmenschen finanziell wieder auf die Beine zu helfen, hatte sie einen Kredit aufgenommen und aus eigener Geldnot sogar aufs Essen verzichtet – 15 Kilo nahm sie so unfreiwillig ab, berichtet die "Kleine Zeitung".
Jetzt gab es ein Wiedersehen der Betroffenen mit ihrem "Herrn Manfred", der eigentlich eine 52-jährige Frau ist, vor Gericht. Dort stellte sich heraus: Sie ist nicht das einzige Opfer.
Am Grazer Straflandesgericht wurden nun die Vorwürfe des gewerbsmäßigen schweren Betrugs aufgerollt. So soll die Angeklagte ihrem Opfer unter Vorspiegelung einer Liebesbeziehung und erfundenen Geschichten um Spitalsbehandlungen und teure Medikamente ein kleines Vermögen herausgelockt haben. "Ja, ich habe mit falschem Namen gechattet und mich auch am Telefon als Manfred ausgegeben", so die Angeklagte zu ihrer digitalen Geschlechtsumwandlung. Sie zeigte sich vollumfänglich geständig.
Die gleich in mehrfacher Hinsicht betrogene Frau war als Zeugin ebenfalls bei dem Prozess dabei. Sie erklärte, dass sich ihr Kontakt zu "Manfred" schon von Beginn weg wie eine Liebesbeziehung angefühlt habe, "auch die Stimme". Doch wieso hatte sie einen so horrenden Betrag an eine Person, die sie noch nicht mal persönlich getroffen hatte, überwiesen?
"Ich habe ihm eh gesagt, dass ich das Gefühl habe, wie eine Weihnachtsgans ausgenommen zu werden. Aber er sagte immer wieder, er sei kein Betrüger", so das Opfer. Die Angeklagte soll sich zwischendurch sogar erfolgreich als Schweizer Richter ausgegeben haben, um ihren Geldforderungen Nachdruck zu verleihen. Am Ende waren 96.000 Euro futsch – mit dem Geld hatte die Liebesbetrügerin ihre eigenen Schulden abbezahlt.
Weil die 52-Jährige bereits sieben (!) einschlägige Vorverurteilungen im Register hat – einmal soll sie ein Koma vorgetäuscht haben –, wegen der Ausnutzung eines Vertrauensverhältnisses und des hohen Schadens setzte es am Ende eine Haftstrafe mit der Dauer von 30 Monaten. Laut "Kleine"-Bericht akzeptierte die Verurteilte nickend: "Es tut mir schon leid".