Frau stirbt – Familie muss 10 Stunden auf Arzt warten

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Gleich mehrere Stunden musste die Familie aus Köflach nach dem tragischen Todesfall einer Verwandten auf die Totenbeschau warten. "Die Nacht war die Hölle", erzählt eine Angehörige.

Es war gegen halb 1 Uhr nachts, als das Herz einer Steirerin zu schlagen aufhörte. Die Frau verstarb, doch es soll weitere zehn Stunden gedauert haben, bis endlich eine Totenbeschau durchgeführt werden konnte.

"Es war einfach kein Arzt greifbar", schildert die Schwester der Verstorbenen gegenüber der "Kleinen Zeitung" die dramatische Situation. "Wir haben es beim Notruf, beim LKH Weststeiermark und mit dem Gesundheitstelefon versucht, niemand konnte uns helfen."

Eine Telefonistin habe zwar versucht, einen verfügbaren Arzt im Bezirk Voitsberg zu finden, jedoch ohne Erfolg. Erst am nächsten Tag habe es die Familie auf Eigeninitiative hin geschafft, einen Mediziner aufzutreiben. "Die Nacht war die Hölle", so die Angehörige.

Die Familie musste tatenlos neben der Verstorbenen ausharren, da laut aktueller Gesetzgebung vor einer Totenbeschau keinerlei Veränderungen an der Leiche vorgenommen werden dürfen.

Zwar erlaubt es eine Gesetzesnovelle aus dem vergangenen Sommer inzwischen allen Ärzten, eine Totenbeschau durchzuführen, doch zumindest in der Köflacher Region gibt es immer noch Probleme mit der personellen Verfügbarkeit wie der aktuelle Fall zeigt.

Bürgermeister: "Kann Ärzte nicht zwingen"

"Dass seit der Einführung des Gesundheitstelefons die Ärztebereitschaft auf Freiwilligkeit basiert, ist ein grundsätzliches Problem. Da ist man auch als Gemeinde machtlos", klagt Bürgermeister Helmut Linhart (ÖVP).

Man habe zwar mit zehn Ärzten in der Umgebung eine Vereinbarung abgeschlossen, doch ob diese dann auch spätnächtens erreichbar seien, könne man nicht beeinflussen.

"Diese Ärzte bekommen von der Gemeinde bei einem Einsatz 170 Euro plus Kilometergeld", so Linhart zur "Kleinen Zeitung". "Trotzdem kann man sie nicht zwingen."

Die Crux mit der Freiwilligkeit

Ärztekammer und Gesundheitsfonds, der das Gesundheitstelefon betreut, schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Die Kammer betont, dass man damit nichts zu tun habe, weil die Ärzte ihre Verfügbarkeit freiwillig über den Fonds anmelden würden.

Gesundheitsfonds-Geschäftsführer Michael Koren erklärte, man bemühe sich um eine gemeinsame Lösung: "Da die Ärztekammer auf die Freiwilligkeit besteht, sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Wir können nur weiter an die Ärzteschaft appellieren."

Nachsatz: "Ärzte zu finden, die sich beteiligen, ist eine Herausforderung." In anderen Bezirken sei es laut Koren sogar noch schwieriger als in Voitsberg.

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