Die vier Töchter der verstorbenen Frau W. hatten einen Arzt des Wiener AKHs bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen fahrlässiger Tötung angezeigt. Sie vermuten, dass er Schuld am Tod der Mutter sein könnte (es gilt die Unschuldsvermutung).
Frau W. war bereits vier Monate im LKH Hainburg behandelt worden und wurde Ende 2022 ins AKH Wien überstellt. Die 55-Jährige hatte eine riesige offene Stelle im Bereich Rücken und Gesäß, wie der "Kurier" berichtet.
Im Zuge einer "extrem seltenen und anspruchsvollen" OP sollte ihr eine Art Lappen eingesetzt werden. Die Wunde war wohl bereits von Keimen befallen, die OP galt daher als hochriskant.
Während des sechsstündigen Eingriffs soll der Arzt den Raum verlassen und eine Vorlesung besucht haben. Laut "Kurier" gibt es davon auch Fotos. Im OP-Bericht klingt es aber, als wäre der Mediziner die gesamte Zeit anwesend gewesen. Er sei aber die letzten eineinhalb Stunden nicht mehr da gewesen, wie auch das Pflegepersonal protokolliert hat.
Es kam zu drei Folgeeingriffen, Ende Jänner war Frau W. tot. Laut dem Anwalt der Familie hätte es andere Operationsmöglichkeiten gegeben, die weniger riskant gewesen wären. Daher sieht die Familie die Schuld am Tod der Mutter nun bei dem Arzt.
Gegenüber dem "Kurier" stellt der Mediziner die Situation so dar: "Ich habe den OP-Saal nicht vor Ende des Eingriffes verlassen und habe dann der Antrittsvorlesung des neuen Ordinarius für Allgemeinchirurgie beigewohnt. Frau W. ist drei Monate nach dem genannten Eingriff verstorben und hat unsere Klinik nachweislich in gutem Zustand verlassen."
Gegenüber der Staatsanwalt soll er noch erklärt haben, dass er Frau W. in sehr schlechtem Zustand übernommen habe, sie sei aber nach dem Eingriff besser beinander gewesen. Er könne ausschließen, dass sie an indirekten oder direkten Folgen der OP gestorben sei. Er habe den OP nur verlassen, um den Bericht zu diktieren und die EDV-Administration für die Patientin zu erledigen. Dann sei er wieder in den Saal und habe Situs und Lappen kontrolliert.