Mehr als zwei Monate nach ihrem Verschwinden wurde am Mittwoch die mutmaßliche Leiche der 38-jährigen Aurélie Vaquier unter einer Betonplatte im Haus ihres Freundes in der französischen Ortschaft Bédarieux entdeckt. Ihr Partner, der 39 Jahre alte Samire L., wurde daraufhin in Gewahrsam genommen. Bis zuletzt hatte sich der Mann über das Verschwinden seiner Partnerin besorgt gezeigt - und sogar Interviews gegeben.
Samire L. stammt ursprünglich aus Gex in der Region Ain, wo seine Familie lebt. Der frühere Soldat arbeitete gelegentlich als Verkäufer auf dem Marktplatz, mal als Saisonarbeiter auf einem Campingplatz, mal als Obstsammler auf dem Land. Im Sommer 2020 zog L. nach Hérault, wo er einen Job als Koch fand. Dort zieht er in eine WG in einer Airbnb-Wohnung und lernt Aurélie Vaquier kennen.
Im November 2020 zieht das Paar zusammen in eine alte Kunstgalerie im Stadtzentrum von Bédarieux ein. Die beiden haben große Pläne: Sie wollen im kommenden Sommer ein Restaurant eröffnen, Aurélie macht Bio-Seifen und stellt Schmuck und Accessoires her, wie Actu Métropolitain berichtet.
Am 28. Januar verschwindet Aurélie plötzlich. Ihr Freund gibt aber erst am 23. Februar bei der Polizeistation von Bédarieux eine Vermisstenanzeige auf. Und dies auch erst nachdem Aurélies Bruder Jérémy sich nach seiner Schwester erkundigte.
Am 16. März gibt Samire L. der Zeitung "Midi Libre" ein Interview. Darin behauptet er, dass Aurélie ihm am Tag ihres Verschwindens eine Nachricht hinterlassen habe: "Sie sagte, dass sie die Nase voll habe und dass sie ein Buch schreiben wolle. Da sagte ich zu mir 'Ich werde sie in Ruhe lassen'. Danach rief ich mehrmals an. Aber sie hat sich nie zurückgemeldet".
Aurélies Freunde und Verwandte glauben kein Wort davon. Jérémy Vaquier war vor allem überrascht, als er eine Nachricht seiner Schwester voller Rechtschreibfehler erhielt. "Meine Schwester hätte nie eine solche fehlerdurchzogene Nachricht geschrieben. Jedes SMS musste sauber formuliert sein", sagt der Bruder. Außerdem hätte Aurélie niemals ihre geliebte Katze Latika zurückgelassen.
Die Ermittler machen andere Details stutzig: Warum würde Aurélie Vaquier ihr Auto in Bédarieux lassen und zu Fuß und ohne Geld "flüchten"? Warum wurde ihr Handy, das allerdings nie gefunden wurde, von einer dritten Person verwendet, um irreführende SMS zu verschicken?
Am Donnerstag wurde eine Autopsie an der entdeckten Leiche durchgeführt. Dabei soll geklärt werden, wie die Frau getötet wurde. War es ein gewaltsamer Tod? Und wie wurde die Leiche unter der frisch gegossenen Betonplatte vergraben? Samire L. hat bei seiner ersten Einvernahme durch die Polizei jede Beteiligung im Tötungsdelikt bestritten, wie Le Parisien berichtet. Es gilt die Unschuldsvermutung.