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Frauen in Bad gefilmt und Clips auf Pornoseiten geladen

Im meistbesuchten Schwimmbad Berns wurden unzählige junge Frauen unbemerkt gefilmt. Die Aufnahmen landeten auf einschlägigen Porno-Webseiten.

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Auf Sexportalen wurden Fotos und Filmaufnahmen von Berner Frauen hochgeladen.
Auf Sexportalen wurden Fotos und Filmaufnahmen von Berner Frauen hochgeladen.
Screenshot Pornhub

Der Post von Anna Z.* lässt aufhorchen: "Eine Freundin hat mir heute erzählt, dass Bikini-Bilder von ihr auf eine Pornoseite hochgeladen wurden. Irgendein Widerling hat offenbar den ganzen Sommer damit verbracht, Frauen im Marzilibad zu fotografieren." Sie selbst habe unzählige Nachmittage mit Freunden in der Berner Badeanstalt verbracht. Die Vorstellung, dabei unbemerkt fotografiert zu werden und anschließend auf einer Pornowebsite zu landen, sei "ungeheuerlich", schreibt Z. auf Instagram.

Ihre Kollegin wolle sich nicht weiter zur Angelegenheit äußern, sagt Anna Z. auf Nachfrage. "Sie ist durch die Sache sehr betroffen und möchte sich nicht weiter exponieren." Nach Angaben von Z. wurden ursprünglich über 2000 solcher Fotos auf dem Portal Xhamster veröffentlicht, dort aber mittlerweile wieder gelöscht. Auf Pornhub sei jedoch nach wie vor ein Teil davon zu finden.

Tatsächlich: Unter einem einschlägigen Pseudonym hat der Unbekannte dort 83 Bilder und 9 Videos hochgeladen. Sie zeigen vornehmlich junge Frauen auf der Wiese, die miteinander plaudern oder einfach nur ein Sonnenbad genießen. Zuweilen liegen sie auf dem Bauch oder man sieht nur den unteren Teil ihres Körpers (wobei häufig die Füße im Fokus stehen), oftmals sind aber auch ihre Gesichter klar erkennbar.

Am Filmen oder am Telefonieren?

Die Stadt Bern hat von den illegal gemachten Aufnahmen keine Kenntnis. Sie gibt an, dass Foto- und Filmaufnahmen in städtischen Bädern nur mit Erlaubnis der zuständigen Direktion und dem Einverständnis der abgelichteten Personen erfolgen dürfen. Die aktuellen Richtlinien erachte das Sportamt der Stadt Bern für ausreichend, sagt Sprecherin Petra Baumberger. Die Problematik sei nicht in ungenügend genauen oder zu wenig weit reichenden Bestimmungen zu suchen: "Vielmehr darin, dass Mobiltelefone multimediale Geräte sind, die bei weitem nicht nur zum Fotografieren und Filmen, sondern auch zum Surfen, Telefonieren, Gamen, Musikhören, Instagramen und so weiter genutzt werden." Das erschwert es den Betreiberinnen und Betreibern öffentlicher Anlagen, Verstöße festzustellen.

"Lustobjekt für beliebige Dritte"

Laut Regina Aebi-Müller, Professorin für Zivilrecht an der Uni Luzern, handelt es sich im vorliegenden Fall um eine "schwere Persönlichkeitsverletzung gegenüber den abgebildeten Frauen". Die Aufnahme von Fotos, speziell auch mit viel nackter Haut, müsse sich daher niemand gefallen lassen. "Es ist kein Rechtfertigungsgrund ersichtlich, insbesondere haben die jungen Frauen nicht eingewilligt. Die bloße Tatsache, dass man sich leicht bekleidet sonnt, ist keine Einwilligung in derartige Aufnahmen", stellt Aebi klar.

Ebenfalls erschwerend sei die Tatsache, dass die Bilder auf eine Pornoseite gestellt wurden, wo die Frauen "zum Lustobjekt für beliebige Dritte" würden. "Wer Fotos von ihnen erhält und wer nicht, müssen sie selber bestimmen können."

Klagen ja, aber …

Die Betroffenen haben die Möglichkeit, vor einem Zivilrichter die Löschung der Fotos auf der Website, deren Vernichtung beim Beklagten und die Feststellung einer widerrechtlichen Persönlichkeitsverletzung zu verlangen. Zudem könnten sie auf Genugtuung klagen, sagt Aebi. Ferner kann laut dem Schweizer Bundesgericht auch der Betreiber einer Website gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er an der Persönlichkeitsverletzung mitwirkt.

Im diesem Fall dürfte das allerdings kompliziert werden, denn bei Pornhub handelt es sich um die Website eines kanadischen Unternehmens. Nach internationalem Privatrecht könnten die Frauen zwar ein Schweizer Gericht anrufen (da die unerlaubte Handlung hierzulande erfolgte) und dieses könnte auch Schweizer Recht anwenden, so Aebi. "Aber ob das dann in Kanada gegen das kanadische Unternehmen tatsächlich vollstreckt wird, ist eine andere Frage – und das wäre sicher mit hohen Kosten verbunden."

Pornhub ließ eine Anfrage der Nachrichtenportals "20 Minuten" unbeantwortet. Die Bikini-Bilder aus dem Berner Marzili waren am Montagabend allerdings von der Plattform verschwunden.

*Name der Redaktion bekannt

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    GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com / Leserreporter