Rund 60 Frauen und drei Männer haben sich über soziale Medien für die Stelle als Flugbegleiter oder Flugbegleiterin bei der Firma Meccti gemeldet. Daraufhin wurden sie am 5. November 2022 ins Hotel Meliá Barajas am Flughafen von Madrid für das Gespräch eingeladen. Das Rekrutierungsunternehmen Meccti suchte neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Kuwait Airways.
Für die Männer war der Prozess schon nach wenigen Minuten vorbei. Die Fluggesellschaft stelle keine ausländischen Flugbegleiter ein, so die Begründung. Doch auch für die Bewerberinnen soll der Rekrutierungstag alles andere als erfreulich enden.
Eine Kandidatin wurde aussortiert, obwohl sie perfekt Englisch spricht. Grund: zu alt. Und das, obwohl die Frau erst 37-jährig ist. Ein weiteres Sprachtalent, eine Frau, die sieben Sprachen spricht, wurde ebenfalls nach Hause geschickt. Die Entscheidungsträger störten sich ob einer kleinen Narbe an ihrer Augenbraue.
Eine weitere Kandidatin war nicht geeignet, weil sie Leberflecken im Gesicht hatte. Doch nicht genug, die Schikane ging noch weiter. "Wir mögen dein Lächeln nicht" oder "Du hast einen Körper wie eine Achterbahn" seien Bemerkungen, die gefallen seien.
Das Rekrutierungsunternehmen Meccti – Middle East Cabin Crew Training International – wurde 1977 gegründet, wie Aerotelegraph.com berichtet. Ihren Hauptsitz hat die Firma in Istanbul. Zu ihren Kunden gehören renommierte Airlines, wie Etihad, Qatar Airways, Saudia oder Gulf Air. Aktiv ist die Firma laut eigenen Angaben in Ländern wie Albanien, Indien, Indonesien, Korea, dem Kosovo, Malaysia, Nepal, Rumänien, Thailand, der Slowakei, Tunesien, der Türkei, Tschechien, Usbekistan und Vietnam.
Der Bewerbungsprozess wurde irgendwann fortgesetzt. Die verbliebenen Frauen wurden in alphabetischer Reihenfolge aufgefordert, den Raum zu betreten. "Das erste Mädchen kam weinend heraus und erzählte uns, dass man sie gezwungen hatte, fast alle ihre Kleider auszuziehen, bis auf die Unterwäsche. Es war ihr erstes Vorstellungsgespräch. Die anderen kamen heraus und sagten das Gleiche", erzählt eine Bewerberin gegenüber "El Diario".
Die Bewerberin wurde zuerst nach ihrem Geburtsdatum, ihrem Gewicht, ihrer Größe und nach sichtbaren Tattoos gefragt. Danach forderte eine Frau sie auf, ihr Kleid hochzuziehen. "Ich zog es ein wenig hoch, bis knapp unter mein Knie, und sie zog es bis zu meinem Slip". Ihr Oberteil musste die Bewerberin bis zur Taille runterziehen und stand nur im BH dort. Begründung: Die Frau wollte sehen, ob sie Narben, Tattoos oder Muttermale habe. "Sie drehte sich immer wieder um, um einen Blick auf meinen Körper zu werfen."
Die anderen Frauen erzählten dasselbe gegenüber "El Diario". Alle der beteiligten Frauen fanden den Prozess entwürdigend. Den Frauen wurde dann mitgeteilt, dass sie eine Anzahlung von 1900 Euro entgelten müssten, im Falle einer Zusage für den Job. Dies sei damit begründet, dass das Geld einen Teil der Ausbildungskosten, der Reise nach Kuwait und der ersten Unterkunft abdecke. "El Diario" und Aerotelegraph.com verlangten von Meccti eine Stellungnahme. Dies aber ohne Erfolg, obwohl "El Diario" sogar die kuwaitische Botschaft in Spanien kontaktierte.