Wirtschaft

Frauen verdienen immer noch um 40 % weniger

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:19

Die neuen Zahlen des Einkommensberichts vom Rechnungshof belegen: Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist seit 14 Jahren gleich. Seit 1998 haben die Einkommen der Arbeiter teils massiv an Wert verloren, auch die der Angestellten stagnieren. Besonders stark unter Druck sind die Bezüge der unteren Einkommensschichten. Kaufkraftgewinne gab es dagegen für die meisten Beamten.

Die neuen Zahlen des Einkommensberichts vom Rechnungshof belegen: Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist seit 14 Jahren gleich. Seit 1998 haben die Gehälter der Arbeiter teils massiv an Wert verloren, auch die der Angestellten stagnieren. Besonders stark unter Druck sind die Bezüge der unteren Einkommensschichten. Kaufkraftgewinne gab es dagegen für die meisten Beamten.

Insgesamt zählt der Einkommensbericht rund 4 Millionen unselbstständig Erwerbstätige - also Arbeiter, Angestellte, Beamte und Vertragsbedienstete. Ihr Durchschnittseinkommen im Jahr 2011 betrug 24.843 Euro brutto. Die niedrigsten Durchschnittseinkommen hatten die 1,6 Mio. Arbeiter mit 18.157 Euro Jahresbrutto, die höchsten Werte gibt es bei den Beamten mit 49.274 Euro. Schlechter entlohnt werden Vertragsbedienstete (29.103 Euro), der mittlere Angestellte verdiente im Vorjahr 28.092 Euro.

Frauen verdienen um 40 % weniger

Seit 14 Jahren unverändert ist die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern: Das mittlere Einkommen der Frauen lag 1998 wie 2011 nur bei 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Ein Grund dafür ist der große Frauenanteil bei atypisch Beschäftigten, die vom Rechnungshof heuer erstmals gesondert erfasst werden: 59 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen waren demnach 2011 "atypisch" - also entweder in Teilzeitarbeit, geringfügig beschäftigt oder bei einer Leiharbeitsfirma angestellt. Bei den Männern waren es nur 22 Prozent.

Vertragsbedienstete Frauen schneiden am schlechtesten ab

Am geringsten ist die Einkommensschere nach wie vor im öffentlichen Dienst: Das mittlere Einkommen der Beamtinnen erreichte 2011 immerhin 94 Prozent des Vergleichswerts der männlichen Kollegen, bei den Vertragsbediensteten waren es 77 Prozent. Davon profitieren können allerdings immer weniger Österreicher, ging die Zahl der Beamten doch wegen des Spardrucks im öffentlichen Dienst seit 2003 von 273.599 auf 213.727 zurück. Am geringsten war die Einkommensschere in Wien, am höchsten in Vorarlberg.

Die höchsten Durchschnittseinkommen sind nicht bei den Unselbstständigen zu suchen, sondern bei den Freiberuflern: Fachärzte verdienten zuletzt 113.944 Euro jährlich, Allgemeinmediziner 82.687 Euro und Rechtsberater 61.350 Euro. Bei letzteren ist die Einkommensschere übrigens ebenfalls groß: Männer verdienen hier 1,7 Mal mehr als Frauen mit einem mittleren Einkommen von 40.627 Euro. Zu beachten ist: Die Angaben für die Freiberufler bezeihen sich auf 2009, neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

Untere Schichten schneiden am schlechtesten ab

Gerade die untersten Einkommensschichten mussten seit 1998 die stärksten Kaufkraftverluste hinnehmen, weil ihre Einkommenszuwächse teils deutlich unter der Inflationsrate lagen. Quer über alle Berufsgruppen sanken die Realeinkommen des untersten Viertels der Einkommensbezieher in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 15 Prozent. Besonders stark betroffen sind die Arbeiter, die Kaufkraft der Angestellten stagniert. Ein inflationsbereinigtes Kaufkraftplus bei unteren, mittleren und oberen Einkommen gab es nur bei den Beamten.

Nächste Seite: Entwicklung der inflationsbereinigten Bruttojahreseinkommen 1998 bis 2011Kaufkraftgewinn/-verlust in %:

ARBEITER

unterste 10 Prozent  -40
mittlere Einkommen   -12
oberste 10 Prozent    -1

ANGESTELLTE *

unterste 10 Prozent   -8
mittlere Einkommen     0
oberste 10 Prozent     0

BEAMTE

unterste 10 Prozent  +20
mittlere Einkommen   +23
oberste 10 Prozent   +16

* inklusive Vertragsbedienstete

Quelle: Rechnungshof

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