Politik

Freund zu EU-Wahl: "Habe kein schlechtes Gewissen"

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:26

Kaum ist Eugen Freund gegen seinen Willen als ZiB-Moderator in Pension gegangen, hat er bereits ein neues Betätigungsfeld gefunden. Er wird Spitzenkandidat der SPÖ bei der Europa-Wahl. Im "Heute.at"-Gespräch sagte Freund, er sei erst am 6. Jänner, also nach seinem Abschied beim ORF, erstmals von Werner Faymann kontaktiert worden. Daher habe er ob seines Wechsels vom Rundfunk in die Politik "keinerlei schlechtes Gewissen".

Kaum ist Eugen Freund als ZiB-Moderator in Pension gegangen, hat er bereits ein neues Betätigungsfeld gefunden. Er wird Spitzenkandidat der SPÖ bei der Europa-Wahl. Im "Heute.at"-Gespräch sagte Freund, er sei erst am 6. Jänner, also nach seinem Abschied beim ORF, erstmals von Werner Faymann kontaktiert worden. Daher habe er ob seines Wechsels vom Rundfunk in die Politik "keinerlei schlechtes Gewissen".

sprachen sich 55,19 Prozent für eine Rückkehr Freunds und gegen  Neo-ZiB-Anchorman Rainer Hazivar  aus - könnte der Journalist nun in der Politik durchstarten.

Freund: "Wurde erst nach ORF-Abschied angesprochen"

Im Telefoninterview mit "Heute.at" sagte Eugen Freund, erst nach seinem Abschied vom ORF habe ihm SPÖ-Kanzler Werner Faymann die Kandidatur für die EU-Wahl angeboten. "Genau heute (Montag, Anm.) vor einer Woche ist Werner Faymann zum ersten Mal an mich herangetreten. Vorher gab es keinerlei Kontakt", so der Neo-Politiker.

Faymann freut sich über Freunds Kandidatur, wollte die Spitzenkandidatur aber noch nicht formell bestätigen, weil die Parteigremien - "das sind 80 Leute" - das erst am Donnerstag beschließen. Freund erinnere ihn an den legendären ORF-Journalisten Hugo Portisch, bekundete der SPÖ-Chef, und pries die "Menge Erfahrung", die der ehemalige ZiB-Moderator einbringe.

Kritik von FPÖ

Kaum war seine Kandidatur bekannt geworden, meldete sich FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky kritisch zu Wort: "Vom Küniglberg zum Kandidaten der Löwelstraße - Eugen Freund zeigt vor, wie rotes Networking funktioniert." Davon wollte Freund am Montagabend nichts wissen: "Ich habe meine Tätigkeit beim ORF beendet. Danach kann ich tun, was ich will", erklärte der Neo-Politiker.

Er habe "keinerlei schlechtes Gewissen", sagte Freund. Im Gegensatz zu seinen früheren ORF-Kollegen wie Josef Broukal (der von der SPÖ einst für den Nationalrat abgeworben wurde) und Ursula Stenzel (heute VP-Bezirksvorsteherin in Wien-Innere Stadt), "die vom ORF in die Politik abgeworben wurden", sei die SPÖ in seinem Fall erst nach seinem Abschied als Nachrichtensprecher an ihn herangetreten.

"Neue Herausforderung"

Freund war erst mit Jahreswechsel und vom "ORF"-Bildschirm verschwunden und in den Ruhestand getreten. "Jetzt gibt es diese neue Herausforderung und ich freu mich darauf", sagte Freund am Montag bei seiner "ORF"-Verabschiedungsfeier. Das twitterte sein langjähriger "ORF"-Kollege und ZiB2-Moderator, Armin Wolf.

 

"Jetzt gibt es diese neue Herausforderung und ich freu mich darauf", sagt eben bei seiner Verabschiedungsfeier im ORF.
— Armin Wolf (@ArminWolf)

Er selbst twitterte wenig später, dass ihm das Projekt Europa "sehr am Herzen" liege.

2/2 Erst die Gremien, dann freue ich mich auf die große Herausforderung: Europa ist ein ganz wichtiges Projekt, das mir sehr am Herzen liegt
— Eugen Freund (@EugenAFreund)

Gegenüber "Heute.at" sagte Freund, die Kollegen hätten bei der Abschiedsfeier mit "ungläubigem Staunen" auf die Neuigkeit reagiert. "Die Reaktionen reichten von Gratulationen bis zu 'Oje, was tust du dir da nur an'", erzählte er.

Im Team mit Regner und Leichtfried

Hinter dem Spitzenkandidaten Freund sollen Evelyn Regner und Jörg Leichtfried platziert werden, die schon bisher als Europa-Parlamentarier dienen. Leichtfried betonte, dass "wir ein gutes Team sein werden." Er erklärte am Montag, bei der Entscheidungsfindung im Frühstadium eingebunden gewesen zu sein.

Hannes Swoboda, Vorsitzender der Sozialdemokraten im Europaparlament, bestätigte die Kandidatur des 62-Jährigen bei der Europa-Wahl. Swoboda erklärte, er "akzeptiere diese Entscheidung. Insgesamt wird das ein gutes Team werden."

Swoboda: "Eugen Freund kein Hans-Peter Martin"

Jedenfalls "ist Eugen Freund kein Hans-Peter Martin", erinnerte Swoboda an die unliebsamen Überraschungen mit dem ehemaligen SPÖ-Spitzenkandidaten Anfang 2000. Martin war damals als parteiloser Spitzenkandidat angetreten, trat der Partei aber auch danach nicht bei und verließ die SPE-Fraktion.

Freund arbeite sehr konkret und ernsthaft. Befragt, ob er glaube, dass Freund ein derartiges Zugpferd für die SPÖ sei, um den ersten Platz einfahren zu können, meinte Swoboda, "das weiß ich nicht. Wir werden kämpfen. Und wir wollen den ersten Platz erobern." Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser bezeichnete Freund als "genialen" Spitzenkandidaten.

Auf der zweiten Seite finden Sie die Biografie Eugen Freunds. Bitte blättern Sie um!

Der erste Ausflug in die Politik ist es für den gebürtigen Wiener, der aber in Kärnten aufwuchs, nicht. Schon in den 70er-Jahren war Freund als Pressesprecher für Außenminister Willibald Pahr tätig, der zwar parteilos, aber von der SPÖ nominiert war. Ein Jahr später ging er nach New York, um dort fünf Jahre den Presse- und Informationsdienst der Republik Österreich mit zu betreuen.

Die ORF-Karriere begann erst danach. Freund, der in jungen Jahren Artikel für "Kärntner Tageszeitung" und "profil" verfasst hatte, übte sich rasch am Bildschirm ein. Bereits in den 80er-Jahren war er als ZiB2-Moderator tätig, später unter anderem Beitragsgestalter beim Auslandsreport, in den 90er-Jahren dann US-Korrespondent und auch Büroleiter in Washington. Neben seiner ORF-Tätigkeit arbeitete er für den "CNN World Report" und publizierte unter anderem in den renommierten Wochenmagazinen "Die Zeit" und "Weltwoche".

Als es schon ruhig um den gern auch streitbaren Freund zu werden schien und er sich mit kleineren Rollen in Radio und Fernsehen (unter anderem als Moderator von "Wien Heute") zufriedengeben musste, gelang 2011 ein überraschendes Comeback in der Prime Time. Freund wurde zum ZiB-Moderator, zunächst an der Seite von Hannelore Veit, später neben Nadja Bernhard.

Der Pensionierung entging Freund trotzdem nicht, auch wenn er noch so dagegen anredete. Zwei Monate Gnadenfrist gewährte ihm Generaldirektor Alexander Wrabetz diesen Herbst noch. Doch zum Jahreswechsel war der rührselige Abschied für den Anchor perfekt. Ironischerweise platzte die Vorab-Meldung des "Kurier" über Freunds Wechsel in die Politik Montagnachmittag just in die Verabschiedungsfeier für Freund und andere pensionierte Mitarbeiter des ORF.

Zu tun hätte Freund wohl auch genug, wenn er sich die EU-Kandidatur nicht angetan hätte. Zuletzt hatte der verheiratete Vater von zwei Kindern einen fiktiven Roman über Jörg Haiders Tod ("Der Tod des Landeshauptmanns") verfasst. Buchautor ist er ohnehin schon seit langem, mit Schwerpunkt USA, was Titel wie "Mein Amerika" oder "Präsident Obama - der lange Weg ins Weisse Haus" belegen.

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