Adam P. (alle Namen in diesem Artikel von der Redaktion geändert) weiß nicht weiter: Vor wenigen Tagen verlor er seinen Job als Hilfsbäcker, da zwei Filialen zusammengelegt wurden. Der 45-Jährige hat fünf Kinder, seine Frau ist hochschwanger und der Schulstart steht vor der Tür. Die Familie steht vor einer finanziellen Herausforderung.
"Am teuersten sind die Rucksäcke", sagt Adam. "Wir kaufen sie gebraucht." Für die Nachmittagsbetreuung fallen 150 Euro pro Kind an, Ausflüge seien sowieso unmöglich. Den Kindern als Außerordentliches zu ermöglichen scheint in weiter Ferne, so die traurigen Eltern.
Ähnlich geht es Nadja S.: Die 43-jährige und ihr Mann konnten seit zwei Monaten die Miete nicht bezahlen. "Wie sollen wir Hausschuhe, Lineal oder Stifte kaufen? Mein Kind bittet mich um einen Rucksack und ich bringe es nicht übers Herz, Nein zu sagen, auch wenn ich weiß, dass es nicht geht."
"Alles ist teuer", sagt Udo T. Er und seine Frau haben drei Kinder im Alter von 6, 10 und 16 Jahren – darunter also auch eine Schulanfängerin. Naht der Schulstart, muss jeder Cent drei Mal umgedreht werden. "Die Schulmaterialien kosten viel, die 150 Euro Klimabonus allein gingen für eine Schultasche drauf", so der Vater.
350 Euro pro Schuljahr und Kind würden sie ausgeben, erzählen die Eltern. Bei drei Kinder sind also über 1.000 Euro zu bezahlen – eine schier unüberwindbare finanzielle Herausforderung. Außerordentliche Kosten sind hier unmöglich zu stemmen: "Unsere Kinder bräuchten Nachhilfe, aber diese würde 220 Euro im Monat kosten. Das können wir uns nicht leisten", so Udo. Auch auf Ausflüge könnte der Nachwuchs nicht fahren: "Sie sind traurig und uns macht es traurig, nein sagen zu müssen. Aber es geht nicht."
Unmöglich sind Ausgaben wie diese auch für Elena G.. Die 33-jährige ist seit vielen Jahren alleinerziehende Mutter von drei Kindern. "Ganz ehrlich? Ich habe aktuell noch zwei Euro in meiner Tasche, mehr nicht", sagt sie leise im Gespräch. Es ist Ende August, der September scheint für Elena noch sehr weit. "Alles wird teurer, die Älteren brauchen jetzt Tablets in der Schule. Der Jüngste will Fußballer werden, aber den Kurs kann ich nicht bezahlen." Vom Vater erhält sie keine finanzielle Unterstützung, die junge Mutter kämpft sich alleine durch. "Es geht mir nicht gut. Jede Mutter will ihren Kindern doch etwas Gutes tun und ich kann das einfach nicht", sagt sie.
Sie alle sind regelmäßige Kunden im Sozialmarkt des Samariterbundes und nutzen dort auch die Sozialberatung von Enikö Nyaguly. Die Nachfrage ist vor dem Schulstart enorm: "Ich bin immer schon weit im Voraus ausgebucht. Die Leute rufen an und bitten um Gutscheine oder Spenden", erzählt die Beraterin. "Der Bedarf ist groß und ich hätte gerne mehr Ressourcen, um noch mehr Menschen erreichen zu können." Wer die Einrichtung mit Geld- oder auch Sachspenden, vor allem für den Schulstart, unterstützen will, kann sich hier informieren.
Die Kunden des Marktes antworten unisono auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünschen: "Dass unsere Kinder eine gute Schul- und Ausbildung und später gute Jobs bekommen. Bildung ist das wichtigste."