Führte Sprengung zum Brücken-Kollaps?

Lichterscheinungen im Video, dass den Zusammenbruch der Morandi-Brücke zeigt, ruft Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Ein Experte widerspricht.
Ein Video zeigt den Zusammenbruch eines Teils der Morandi-Brücke. In der Aufnahme sind zwei Lichterscheinungen oder Blitze zu sehen, oben ab Minute 0:02. Diese Erscheinungen führen dazu, dass von einigen angenommen wird, der Kollaps des Brückenabschnitts sei durch Sprengung hervorgerufen worden.

In einem Blog-Beitrag beispielsweise heißt es, dass zunächst die "Schrägkabel" weggesprengt worden seien. Ebenso sei der Pfeiler in der Mitte durch eine Sprengung komplett beseitigt worden und auch das "Trümmerfeld" weise auf dasselbe hin. Die Aussagen stammen von einem angeblichen diplomierten Bauingenieur der namentlich nicht genannt wird.

Ein Experte widerspricht

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Ein Leser der "20 Minuten" äußert sich in der gleichen Richtung. "Der Blitz ist unterhalb der Brücke. Holt euch Proben und untersucht sie auf C4 (Sprengstoff, Anm. Red.)", schreibt er in einem Kommentar. Und auch Gerhard Wisnewski stellt in seinem Beitrag auf Youtube (Video unten) die Frage nach einer Sprengung.

Marco Zimemrmann, Sprengexperte der Firma Georock, dementiert diese Behauptungen: "Das Video sagt effektiv nichts aus. Der Pfeiler kollabiert, aber weswegen, ist nicht ersichtlich. Zumindest scheinen die Lichterscheinungen an der Basis des Pfeilers nicht von einer Sprengung zu stammen – eher von herabgerissenen Fahrleitungen, von Transformatoren oder ähnlichem – für diese Lichterscheinungen gibt es mehrere plausible Erklärungen." Außerdem würde eine Sprengung lauter klingen und auch davon sei im Video nichts zu hören, so Zimmermann weiter.



"Mein Eindruck – auch aufgrund von Aussagen von Augenzeugen, wonach es einen lauten Knall gab – ist, dass ein Spannseil versagt hat. Faktoren wie Verkehrslast, Windlast oder ähnliches können Gründe gewesen sein, dass eines der Spannseile gerissen sein könnte." Dies löse ein progressives Versagen aus, also eine Kettenreaktion. "Ein Seil reißt, dann die anderen, darauf senkt sich die Platte der Brücke oder bricht sogar gleich, was sich wiederum auf die relativ feingliedrigen Brückenpfeiler auswirkt."

Außerdem sei die alte Bausubstanz sicher auch ein Faktor dafür, dass die Brücke eingestürzt sei. Sie sei zum Zeitpunkt des Unglücks ja saniert worden, und das habe sicher seine Gründe. (gux/dmo)

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