Politik

Funkenzunft klagt Klima-Kleber – 1 Jahr Haft droht

Der "Letzte Generation"-Pressesprecherin droht ein Jahr Haft. Grund: Sie kritisierte das Abbrennen einer als Klima-Kleber verkleideten "Hexe".
Leo Stempfl
23.06.2023, 08:35
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Bevor die Vandanser am 26. Februar ihren "Funken" in Brand steckten, setzten sie die obligatorische "Funkehexe" auf die Spitze des Scheiterhaufens. Dafür suchten sie sich eine Figur mit Hexenmaske aus, die eine orangene Warnweste trug, eine Tube Kleber hielt und ein Schild in der Hand hatte, auf welchem "Hexe Grutha von Kleber die XI." geschrieben stand.

Mit dem Zusatz "sie hat es verdient" wurden Fotos davon in Sozialen Netzwerken verbreitet. Die Staatsanwaltschaft prüfte daraufhin ein mögliches strafbares Verhalten der Funkenzunft Vandans (Verhetzung und gefährliche Drohung), leitete allerdings kein Verfahren ein. Die Zunft rechtfertigte die Aktion mit "Satire", man habe keine Hetze betreiben wollen.

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Runder Tisch platzte

Die Causa zog trotzdem derart weite Kreise, dass es zu einem klärenden Runden Tisch zwischen der "Letzten Generation", der Funkenzunft, Brauchtumsvertretern und der Politik kommen sollte. Funkenzunftsobmann Markus Pfefferkorn ließ das Gespräch aber platzen.

Unter das entsprechende Posting des "ORF Vorarlberg" kommentierte "Letzte Generation"-Pressesprecherin Marina Hagen-Canaval: "Tja also wir hätten gerne geredet, aber mit potentiellen Straftätern ist es wohl nicht ganz so leicht (es gilt die Unschuldsvermutung)." Immerhin wurde das Gespräch nur deswegen abgesagt, weil die Rechtsberatung der Funkenzunft während der aufrechten Anzeige davon abgeraten habe. 

Obmann klagt Pressesprecherin

Nun ging Pfefferkorn, von Beruf Exekutivbeamter, in die Offensive. Er klagt Hagen-Canaval wegen Übler Nachrede. Es drohen bis zu einem Jahr Haft oder eine Geldstrafe bis zu 720 Tagessätze. Auch für sie gilt freilich die Unschuldsvermutung.

"Anstatt das eigene unwürdige Verhalten zu reflektieren und in konstruktiven Dialog zu gehen, soll ich mit einer Racheklage zum Schweigen gebracht werden - weil ich die offensichtliche Entgleisung bei der Funkenzunft Vandans angeprangert habe", ist Pressesprecherin Hagen-Canaval überzeugt. "Die Klage ist überflüssig und zerstörerisch. Pfefferkorn zeigt mangelnde Emotionskontrolle. Es ist nicht nur unverständlich, dass das Verbrennen einer Puppe, welche eine Person der "Letzten Generation" repräsentierte, vom Rechtsstaat offenbar akzeptiert wird, sondern auch absurd, dass ich wegen eines Online-Kommentars, in dem ich explizit die Unschuldsvermutung erwähne, verurteilt werden soll."

Hagen-Canaval bestreitet den Vorwurf und betonte: "Ich habe keine Angst. Ich gehe davon aus, dass die Richterin die Racheklage als solche erkennt und abweist. Ich wünsche mir, dass die Regierung endlich den Ernst der Lage in der Klimakatastrophe anerkennt und handelt. Die Empfehlungen des Klimarates müssen dringend umgesetzt werden. Dann werden auch solche furchterregenden Aktionen mit symbolischem Verbrennen von Menschen und die zugehörigen Klagen obsolet", ergänzt Hagen-Canaval.

"Aktionen wie diese führen dazu, dass bei Menschen die Hemmschwelle sinkt und die Gewalt gegen uns auf der Straße massiv zunimmt", bedauert Pressesprecher Florian Wagner (30).