Österreich

Für fitte Unternehmer gibt's Arzt-Selbstbehalt zurück

Heute Redaktion
13.09.2021, 14:50

Mit einem finanziellen Zuckerl will die Wirtschaftskammer Wien Unternehmer zu mehr Gesundheit motivieren. Wer seine Ziele erreicht, erhält Geld zurück.

"Heute öffnen wir ein neues Kapitel zur Stärkung der Gesundheit unserer Mitglieder. Als erste Interessenvertretung Österreichs werden wir den Unternehmerinnen und Unternehmern den Selbstbehalt bei Arztbesuchen ersetzen", freute sich der Präsident der Wirtschaftskammer Wien Walter Ruck. Die Kosten dafür schätzt Ruck auf eine Million Euro pro Jahr.

"Anders als bei Unselbständigen müssen Unternehmer bei jedem Arztbesuch einen Selbstbehalt leisten, dieser beträgt 20 Prozent der Honorarleistung des Arztes. Ausgenommen sind chronische Kranke oder Unternehmen, die sich aufgrund ihrer Wirtschaftsleistung die Selbstbehalte nicht leisten können", erklärt Ruck.

Rückzahlung soll Unternehmen für mehr Gesundheit begeistern

Mit der Refundierung will die Wirtschaftskammer ihre Mitglieder zu mehr gesundheitsfördernden Maßnahmen motivieren. Anspruch haben alle Wirtschaftstreibenden, die bisher bei der SVA (Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft) oder der SVB (Sozialversicherungsanstalt der Bauern) versichert waren. Seit 1. Jänner 2020 sind diese bei der neuen SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen) zusammengefasst. Zusätzlich müssen die Unternehmer auch am Programm "Selbstständig gesund" teilnehmen.

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"Vereinbart ein Unternehmer im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Gesundheitsziele – also mit dem Rauchen aufzuhören, Gewicht zu verlieren oder mehr Sport zu treiben – und erreicht er diese, dann reduziert sich der Selbstbehalt auf 10 Prozent. Diese Kosten wird nun, rückwirkend ab 1. Jänner 2020 die Wirtschaftskammer Wien tragen. Das heißt: Null Prozent Selbstbehalt für Wirtschaftstreibende, die vorsorgen und aktiv bleiben", so Ruck.

Wer auf sich schaut, regelmäßig eine Vorsorgeuntersuchung macht und seine gemeinsam mit dem Arzt definierten Gesundheitsziele erreicht, dem refundiert die Wirtschaftskammer rückwirkend ab 1. Jänner die WK Wien den Selbstbehalt.

Zahl der Vorsorgeuntersuchungen soll steigen

Mit dem finanziellen Anreiz hofft Ruck, den Anteil der Teilnehmer am Vorsorgeprogramm der SVS zu heben. "Von den 70.000 Betroffenen sind derzeit nur rund 8.000 beim Programm dabei. Durch die Rückzahlung der Selbstbehalte wollen wir es bis 2022 schaffen, diese Zahl auf rund 20.000 zu steigern", erklärt Ruck.

Eine generelle Abschaffung des Selbstbehaltes bei Arztbesuchen soll es es aber nicht geben. "Untersuchungen zeigen, dass mit steigendem finanziellem Anreiz die Bereitschaft zu Präventionsuntersuchungen steigt.

"Wir brauchen fitte Selbständige. Denn, nur wer gesund ist, ist auch beruflich erfolgreich. Letztlich tragen Wiens Unternehmer nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für 600.000 Arbeitsplätze. Ich möchte mit meiner Initiative daher den Vorsorgegedanken bei unseren 135.000 Mitgliedern stärken. Unser Weg lautet: Vorsorgen statt nachzahlen!", so Ruck.

Für die Unternehmer ergebe sich durch die Initiative ein doppelter Gewinn: Sie werden für ihre Eigenverantwortung belohnt und bleiben aktiv und gesund.

Refundierung soll schnell und reibungslos ablaufen

Ob die Voraussetzungen für die Refundierung der Selbstbehalte auch tatsächlich erfüllt werden, prüfen die jeweiligen Ärzte und die SVS. "An die Wirtschaftskammer werden keinerlei medizinischen Daten übermittelt. Wir bekommen nur die Bestätigung, damit wir die Rückzahlung durchführen können", verspricht der Präsident.

Damit diese reibungsfrei abläuft, tüftelt die WKW gerade an den technischen und organisatorischen Voraussetzungen. Künftig sollen die Unternehmer ihre gesammelten Arztbelege und Selbstbehalt-Vorschreibungen unbürokratisch und einfach einreichen können. Geplant ist, dass die ersten Unternehmer Anfang Februar ihre Vorschreibungen hochladen können und dann rasch die Arztkosten ersetzt bekommen.

Finanzierung dank abgeschlossener Kammerreform möglich



Dass die WK Wien ihre Mitglieder beim Selbstbehalt finanziell entlasten kann, verdanke sie der großen Strukturreform der WKW im vergangenen Jahr, betont Ruck. "Durch das Zusammenziehen von zehn Standorten im neuen Haus der Wiener Wirtschaft am Praterstern und der größten Strukturreform in der Geschichte der Wirtschaftskammer konnte nicht nur das Serviceangebot weiter ausgebaut, sondern auch die Kammerbeiträge um mehrere Millionen gesenkt werden". Mit diesem Geld will die WKW nun die Gesundheit der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen.