Österreich

Für seine krebskranke Mutter wurde er zum Räuber

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:55

Im Strafprozess gegen Bogdan Z. (31) werden die Geschworenen eine Geschichte hören, die verunsichern kann. Denn klar ist zwar, dass der Serbe Anfang März in Wien einen Geldtransporter überfallen hat. Diskutabel aber trotzdem, ob der Räuber eine hohe Strafe verdient. Denn sein Motiv war nicht Gier, sondern Liebe zur Mutter.

Im Strafprozess gegen Bogdan Z. (31) werden die  Geschworenen eine Geschichte hören, die verunsichern kann. Denn klar ist zwar, dass der Serbe Anfang März in Wien einen Geldtransporter überfallen hat. Diskutabel aber trotzdem, ob der Räuber eine hohe Strafe verdient. Denn sein Motiv war nicht Gier, sondern Liebe zur Mutter.

meldeten Zeitungen und ORF am 10. März. Tatort: das Foyer einer Bank Austria in Wien-Favoriten.

Zwei maskierte Gangster hatten mit Gaspistolen Mitarbeitern der Firma "Loomis" aufgelauert, die nachts Bankomaten mit Barem befüllen. Pech der Banditen: Einer der Geldboten war scharf bewaffnet und drückte ab. Der Serbe Bogdan Z. (31) wurde im Bauch getroffen, sein 26-jähriger Landsmann am Arm. Beide sind in U-Haft und geständig.

Die nüchternen Fakten sind Futter für den Staatsanwalt. Aber sie sagen nichts über das Motiv. Und da wird eine starke Frau einhaken, die Räuber Bogdan Z. vor Gericht beisteht: Anwältin Heike Sporn spricht von einem "Fall, wie ich ihn noch nie erlebt habe".

Der Hintergrund: Anfang des Jahres fuhr Bogdan Z. nach Deutschland, um bei serbischen Verwandten Geld für die Behandlung seiner krebskranken Mutter daheim zu sammeln. Die Spenden reichten nicht. Und auf dem Rückweg machte der Sohn in Wien Station.

Hier erzählte ihm sein späterer Komplize was von Geldtransporter-Routen. Verzweiflung hat dünne Wände, die ins Verbrechen führen können. Der Rest ist bekannt.

Beim Prozess wird es menscheln. Anwältin Sporn garantiert dafür. Ihr Mandant erzählt ihr in U-Haft viel von seiner Mama. Wenn's die Geschworenen hören wollen, hat er eine Chance. Seine Mutter hat keine mehr.

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Wolfgang Höllrigl

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