Fußball-Boss Pucher: In 25 Jahren nie durchgeschlafen

Martin Pucher konnte Jahrzehnte lang nicht durchschlafen.
Martin Pucher konnte Jahrzehnte lang nicht durchschlafen.Gepa
Der Bilanz-Skandal rund um die Commerzialbank Mattersburg hatte bereits 1992 begonnen, wie Norbert Wess, Anwalt von Martin Pucher, erklärte. 

Seit 1988 führte Pucher als langjähriger Obmann den SV Mattersburg von den Niederlungen des burgenländischen Regionalfußballs bis in die Bundesliga. Der Klub trat sogar zwei Mal im Europacup an. Doch die Pleite der Commerzialbank riss auch den Fußballverein ins Verderben. Der Verein wird in ein Konkursverfahren geschickt. Als Nachfolgeklub hat sich der MSV 2020 bereits gegründet. 

So ist das Lebenswerk des 64-Jährigen zerstört. Pucher hatte die Commerzialbank Mattersburg, der er seit 1995 als eigenständiges Geldinstitut vorstand, eng mit dem Fußballverein verwoben, war größter Geldgeber. So bedeutete das Aus der Bank auch die Pleite des Fußballvereins. Über Jahrzehnte soll Pucher die Bilanzen der Bank manipuliert und Kredite erfunden haben. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. 

Keine einzige Nacht durchgeschlafen

Der Skandal hatte bereits 1992 begonnen, als die Commerzialbank noch Teil des Raiffeisenverbands war. Der Ergebnisdruck sei enorm gewesen. Pucher hatte abliefern wollen, erklärte sein Anwalt Norbert Wess im "Standard". Dass er sich damit immer tiefer in eine aussichtslose Situation hineinmanövrierte, sei ihm bald klar gewesen. 

Pucher habe in den letzten 25 Jahren keine einzige Nacht durchgeschlafen. Dem einst gefeierten Bank-Manager und Bundesliga-Präsidenten sei immer klar gewesen, in welches Schlamassel er geraten war. Anfangs habe er noch gedacht, das Ruder herumreißen zu können. Doch schon im Jahr 2000 sei die Bank insolvent gewesen. Da sei ihm schon klar gewesen: "Da komme ich nicht mehr raus", schilderte Wess.  

Schlaganfälle bei Bankenprüfung

Als die Bank 2015 monatelang überprüft wurde, sei der Druck auf den Vorstand stark gewachsen. Pucher hatte in dieser Zeit zwei Schlaganfälle erlitten. Er konnte sich bis heute davon nicht erholen, so sein Anwalt. 

Pucher sei geständig, allein für alles verantwortlich. Seine Familie habe ebenso nichts vom Bilanzskandal gewusst. Einzig eine Mitarbeiterin sei eingeweiht gewesen. 

Bis 15 Prozent für SV Mattersburg?

Wohin das Geld verschwunden ist, ist noch unklar. Die letzte Bilanz aus dem Jahr 2018 weist einen Gewinn von 4,8 Millionen Euro auf. Acht bis 15 Prozent seien laut Anwalt in den SV Mattersburg geflossen. 50 bis 60 Prozent sei "verbrannt". 

Pucher selbst habe sich nicht bereichert, erklärte Wess. Er habe weder Immobilien noch kostspielige Hobbys, kassierte zuletzt allerdings ein Jahresgehalt von 360.000 Euro brutto. Nun wird auch der 64-Jährige in die Privatinsolvenz müssen. Aktuell bleibt Pucher in seinem Haus. Er schäme sich, erklärte Wess. Das Geständnis habe ihn aber auch von der Last der letzten Jahre befreit. Ob er nun durchschlafen kann...?

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