Fußballer (16) verliert nach Unfall beinahe sein Bein

Beritan C. (18) wurde das Wadenbein in den Oberschenkel "eingepflanzt".
Beritan C. (18) wurde das Wadenbein in den Oberschenkel "eingepflanzt".Tirol Kliniken/Schwamberger, iStock
Nach einem Autounfall stand Beritan C. kurz vor einer Bein-Amputation. Doch Ärzte konnten es schließlich retten.

Im September 2020 änderte sich das Leben von Beritan C. schlagartig: Der damals 16-Jährige wurde bei einem Autounfall als Beifahrer schwer verletzt, er erlitt eine offene Oberschenkelfraktur am linken Bein. Die behandelnden Ärzte stellten dem leidenschaftlichen Fußballer aus Höchst (Vbg.) eine düstere Prognose: "Wir hatten schon über eine Amputation gesprochen", erklärt Rohit Arora, Direktor an der Uni-Klinik für Orthopädie und Traumatologie in Innsbruck.

Bevor er an die Innsbrucker Uni-Klinik überwiesen wurde, hatte der Teenager bereits mehrere erfolglose Operationen in anderen Krankenhäusern hinter sich. Aber auch bei den insgesamt sieben Operationen in Innsbruck – die längste dauerte 15 (!) Stunden – lief nicht alles nach Plan, berichtet die "Tiroler Tageszeitung".

Knochen-Fragment heilte nicht an

"Anfangs versuchten wir infizierte und abgestorbene Knochenteile zu entfernen und über einen Knochentransport den fehlenden Knochen zu ersetzen", erklärt Arora. Dabei wird oberhalb des Knies ein Stück des Oberschenkelknochens abgeschnitten und wenige Millimeter pro Tag nach oben gezogen.

An der Schnittstelle sollte sich dann ein neuer, gesunder Knochen bilden. "Zuerst hat alles gut ausgesehen, aber das Fragment ist nicht angeheilt. Nach Entfernen des externen Fixateurs ist dieses wieder nach unten gerutscht. Das passiert nur sehr selten", meint der Spezialist.

Beritan C. (Mitte) mit seinen Ärzten Rohit Arora und Dolores Wolfram-Raunicher
Beritan C. (Mitte) mit seinen Ärzten Rohit Arora und Dolores Wolfram-RaunicherTirol Kliniken/Schwamberger
"Im Grunde wurde der Oberschenkel wieder neu zusammengesetzt" - Dolores Wolfram-Raunicher, Oberärztin für Plastische-, Rekonstruktive- und Ästhetische Chirurgie

Nach vier Operationen war das Team wieder am Anfangspunkt. Schließlich blieb den Medizinern nur noch eine Lösung: "Im Grunde kommt nur eine Methode in Frage. Nämlich das eigene Wadenbein entnehmen und im Oberschenkel einpflanzen", erklärt Dolores Wolfram-Raunicher, Oberärztin an der Klinik für Plastische-, Rekonstruktive- und Ästhetische Chirurgie.

Wichtig: Die Blutversorgung aus dem Unterschenkel muss "mitgenommen" werden. Die Gefäße des Wadenbeins werden dabei an eine Arterie und Vene am Oberschenkel "angeschlossen": "Wenn das funktioniert, hat der Knochen die besten Chancen anzuheilen. Somit kann das Wadenbein einen Oberschenkelknochen ersetzen. Im Grunde wurde der Oberschenkel wieder neu zusammengesetzt. Ein Eingriff, der auch an unseren beiden Kliniken kein alltäglicher ist. Umso bewegender ist es, dass die OP so erfolgreich verlaufen ist", führt Wolfram-Raunicher aus.

Beritan kann bald wieder kicken

Obwohl die Ärzte fast das gesamte rechte Wadenbein von Beritan C. entnommen haben, hat dieser dadurch keine Einschränkungen. Das Gewicht liegt auf dem parallel verlaufenden Schienbein, der 18-Jährige kann sein Bein wieder voll belasten: "Ich bin dem Schicksal so dankbar, dass es mich in die Hände von Professor Arora und Professorin Wofram-Raunicher geführt hat", erzählt Beritan C., der hoffentlich auch bald wieder am Spielfeld kicken kann.

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