Niederösterreich

Fußgänger-Unfälle – Experten raten zu Tempo 30 im Ort

101 Fußgänger wurden vergangenes Jahr in NÖ am Schutzweg angefahren. Der Verkehrsclub Österreich rät zu Tempo 30 anstatt 50 im Ort.
Isabella Nittner
06.12.2022, 11:29
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Ob ein "Schutz-"weg tatsächlich Schutz für Fußgänger bietet? Darüber lässt sich streiten, wie neue Zahlen der Statistik Austria jetzt zeigen.

101 Fußgänger verletzt

Im Jahr 2021 wurden in Niederösterreich 101 Passanten auf Schutzwegen bzw. Zebrastreifen, wie sie umgangssprachlich genannt werden, angefahren und verletzt. Das sind mehr als ein Viertel (26%) der gesamten Fußgänger-Unfälle, viele der Opfer sind Senioren.

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Der Verkehrsclub Österreich gibt nun zu bedenken, dass sich Lenkende eines Fahrzeugs laut Straßenverkehrsordnung einem Schutzweg nur mit einer solchen Geschwindigkeit nähern dürfen, dass das Fahrzeug vor dem Schutzweg anhalten kann. Die Experten raten deshalb zur Verkehrsberuhigung im Ort und einem Tempolimit von 30 km/h anstatt 50 km/h.

Untermauert wird die Forderung mit einem Rechenbeispiel: So hat ein Pkw, der mit 30 km/h unterwegs ist und eine Vollbremsung hinlegt, einen Bremsweg von elf Metern, ein Auto, das mit 50 km/h heranbraust, braucht bereits 24 Meter. Aufgrund des langen Reaktionsweges sei ein Fahrzeug, das bei 50 km/h zu bremsen beginnt, beim Zusammenstoß mit einem Fußgänger nach elf Metern immer noch mit 49 km/h unterwegs.

"Schwerste Verletzungen die Folge"

"Wird ein Fußgänger mit diesem Tempo niedergefahren sind schwerste Verletzungen die Folge. Mit Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50 können Gemeinden und Städte die Sicherheit für die schwächsten Verkehrsteilnehmer deutlich erhöhen", heißt es seitens des VCÖ.

Besonders in den Wintermonaten, in denen es früh dunkel wird, steigt tendenziell die Anzahl an Schutzwegunfällen. 363 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgängern gab es 2021 in NÖ, 96 davon passierten auf Schutzwegen, die den Menschen eigentlich eine sichere Überquerung der Straße ermöglichen sollen.

Niederösterreich-Zahlen im Jahresvergleich

Jahr 2021: 101 Verletzte, kein tödlicher Schutzwegunfall

Jahr 2020: 93 Verletzte, kein tödlicher Schutzwegunfall

Jahr 2019: 158 Verletzte, 2 Todesopfer

"Gerade wenn die Sicht schlechter ist, ist es wichtig entsprechend langsamer unterwegs zu sein", erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Allerdings: Am Schutzweg haben laut Straßenverkehrsordnung beide Verkehrsteilnehmer aufzupassen – der Pkw-Lenker muss sich einem Zebrastreifen so nähern, dass er gegebenenfalls anhalten kann, ein Fußgänger dürfe ihn aber auch nicht "unmittelbar vor einem herannahenden Fahrzeug und für dessen Lenker überraschend betreten".

Anteil Schutzwegunfälle im Jahr 2021 – (in Klammer Anzahl)

Vorarlberg: 35,0 % (48)

Wien: 33,4 % (332)

Oberösterreich: 29,3 % (129)

Steiermark: 29,3 % (96)

Kärnten: 28,4 % (44)

Niederösterreich: 26,4 % (96)

Tirol: 20,5 % (63)

Salzburg: 19,2 % (34)

Burgenland: 15,8 % (6)

Österreich: 28,8 % (831)

Auch das Umfeld des Schutzweges solle laut VCÖ so gestaltet werden, dass eine gute Sicht ermöglicht wird. Das bestehende Halte- und Parkverbot vor Schutzwegen sei deshalb von derzeit fünf auf mindestens zehn Meter zu erweitern. "Durch den SUV-Boom und den zunehmenden Lieferverkehr wegen des Online-Handels sind immer mehr höhere Fahrzeuge unterwegs. Parken diese fünf Meter vor einem Schutzweg, ist die Gefahr groß, dass die Sicht auf Kinder, die die Straße überqueren, verstellt wird", so der Verkehrsclub.