Gäste-Ansturm bleibt aus – Gastro noch im Krisenmodus

Nach mehr als zwei Monaten dürfen Gastronomiebetriebe seit Freitag wieder aufsperren. Doch die Corona-Krise, das zeigt ein Lokalaugenschein, ist für die Wirte bei weitem nicht überwunden.

War es das regnerische Wetter, die Angst vor Corona, das durch Kurzarbeit oder Jobverlust geschmälerte Portemonnaie? Fest steht: Der erhoffte Ansturm auf die wieder eröffneten Restaurants und Cafés stellte sich am Freitagmorgen nicht ein. Im Café Eiles hinter dem Wiener Rathaus – üblicherweise gut gefüllt – blieb die Mehrheit der Tische unbenützt. 

Besitzer Gert Kunze übt sich gegenüber "Heute" in Zweckoptimismus (s. Video oben). "Mir gehen natürlich die Touristen ab. Schön langsam kommen die Wiener daher, vielleicht sind sie noch in der Arbeit, aber rosig schaut es noch nicht aus – wir warten. Noch bin ich positiv..."

"Wir brauchen internationale Leute in Wien, sonst geht das nicht"

Der Wegfall der Maskenpflicht für Gäste beim Weg auf die Toilette erleichtere zwar den Betrieb, betont Kunze. Bis es im "Eiles" und anderen Wiener Kaffeehäusern wieder brummt, werde es aber noch etwas dauern. "Es wird erst richtig losgehen, wenn Grenzöffnungen da sind. In zwei, drei Wochen werden die Deutschen die ersten sein. Wir brauchen internationale Leute in Wien, sonst geht das nicht, das wird sicher bis September dauern."

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Den Gastro-Gutschein, der an alle Wiener Haushalte ausgeschickt wird, sehe man in der Branche eher skeptisch. "Es muss direkt etwas bei den Unternehmen ankommen, direkte Förderung. Noch hat niemand etwas gesehen, ich kenne keinen, der irgendwo was gesehen hat, an Geld."

Schweizerhaus musste Plätze verringern

Auch im Schweizerhaus im Wiener Prater ging es noch eher ruhig zu. Auf Live-Musik und eine große Eröffnungsfeier, wie in anderen Jahren üblich, wurde verzichtet. Im Gastgarten haben wegen der Abstandsregeln nun 900 Gäste statt 1.400 Platz, im Gasthaus selbst gibt es 350 statt 750 Plätze. Treue Stammgäste ließen sich die erste Stelze am Freitag nicht entgehen und hatten schon im Voraus Plätze reserviert, das Ausmaß an Laufkundschaft hielt sich hingegen in Grenzen.

Reservierungen geben Grund zur Hoffnung

Grund zum Optimismus geben unterdessen die Daten der Tischreservierungs-Plattform delinski: Man verzeichnete etwa 93% der Reservierungen eines durchschnittlichen Tages vor der Krise, hieß es in einer Aussendung. 

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