Felix Gall krönte drei herausragende Wochen in Italien mit Platz zwei in der Gesamtwertung des Giro d'Italia und sorgte damit für den größten Erfolg eines österreichischen Radprofis bei einer Grand Tour. Noch nie war ein Österreicher bei einer Grand Tour besser platziert als der Osttiroler.
Der Gesamtsieg ging erwartungsgemäß an den dänischen Superstar Jonas Vingegaard. Auf den Tour-de-France-Champion fehlten Gall am Ende 5:22 Minuten. Hinter dem Österreicher landete der Australier Jai Hindley mit mehr als einer Minute Rückstand auf Rang drei. Auf der letzten Etappe in Rom triumphierte der italienische Lokalmatador Jonathan Milan.
Gall setzt mit seinem zweiten Platz neue Maßstäbe. Noch nie zuvor hatte ein Österreicher eine der drei großen Landesrundfahrten – Giro, Tour de France oder Vuelta – auf einem besseren Rang beendet. Gleichzeitig ist es der erste Podestplatz eines Österreichers bei einer Grand Tour seit fast 70 Jahren. Zuletzt war Adolf Christian 1957 bei der Tour de France als Dritter auf dem Podium gestanden.
Gall hatte vor dem Giro kein Geheimnis aus seinen Ambitionen gemacht. "Der nächste Schritt in meiner Karriere ist das Podium bei einer Grand Tour", hatte der 27-Jährige vor dem Start erklärt. Dieses Ziel erreichte er eindrucksvoll. Gleich fünfmal belegte Gall während der Rundfahrt den zweiten Etappenrang und präsentierte sich über die gesamten drei Wochen konstant auf höchstem Niveau. Auch zahlreiche Angriffe seiner Konkurrenten konnte der Osttiroler erfolgreich abwehren.
Großen Anteil am historischen Erfolg hatte auch Gregor Mühlberger. Der Oberösterreicher stellte sich während der Rundfahrt voll in den Dienst seines Teamkollegen und erwies sich vor allem in den schweren Bergetappen als wertvoller Helfer. Die beiden verbindet nicht nur das Team Decathlon. Gall und Mühlberger leben in Salzburg, trainieren regelmäßig gemeinsam und gelten auch privat als enge Freunde.
Mit seinen Leistungen löste Gall auch in Österreich eine kleine Radsport-Euphorie aus. Besonders auf der entscheidenden Bergetappe nach Piancavallo säumten zahlreiche rot-weiß-rote Fans die Strecke. "Ich habe meinen Namen oft auf der Strecke gehört, das ist etwas sehr Cooles", freute sich Gall danach.