Kein Geld für Sprit und Reparaturen, verfallende Gebäude, beeinträchtigte Katastrophenhilfe: Der Zustand des Heeres ist besorgniserregend. Nun hat ein ehemaliger Gardist gegenüber Ö1 aufgelistet, woran es fehlt. Und seine Schilderung ist nichts für zarte Gemüter.
Kein Geld für Sprit und , verfallende Gebäude, beeinträchtigte Katastrophenhilfe: Der Zustand des Heeres ist besorgniserregend. Nun hat ein ehemaliger Gardist gegenüber Ö1 aufgelistet, woran es fehlt. Und seine Schilderung ist nichts für zarte Gemüter.
Bei Staatsbesuchen repräsentieren Garde-Soldaten die Republik. Die Garde besteht aus 200 Kadersoldaten und über 1.500 Grundwehrdienern jährlich. Sie sind alle auch ausgebildete Infanteristen. Untergebracht sind sie in der Maria Theresia Kaserne in Wien, die Ausbildung findet in Horn statt.
"Wir stehen im eigenen Urin"
Vom miserablen Zustand der Gebäude kann Gardekommandant Stefan Kirchebner ein Lied singen. Ein Drittel in seinem Verantwortungsbereich ist saniert, zwei Drittel nicht. Details schildert der ehemalige Grundwehrdiener Victor Kalbskopf, der 24-Jährige hat Ende August abgerüstet und war in seiner Bundesheerzeit Soldatensprecher: Die Kacheln sind gebrochen, die Soldaten bekommen Fußpilz. Die Pissoirs sind nicht an den Abfluss angeschlossen, man stehe im Urin und Fäkalien.
Klug wollte das nicht sehen
Sieht man einmal von der Musterkaserne Güssing ab, dürften die beschriebenen Zustände in Kasernen kein Einzelfall sein. Das hat auch die Bundesheerkommission wiederholt festgestellt. Soldatenvertreter Kalbskopf wollte die desolaten Waschräume SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug bei einem Kasernenbesuch live vor Augen führen, worauf sich dieser aber nicht eingelassen habe, erzählt der Ex-Rekrut. Auch ein nachfolgender offizieller Beschwerdebrief endete im Nichts.
Ausbildung ist in Ordnung
Lob kommt vom Ex-Grundwehrdiener aber für die Ausbildung selbst. Die neuen Module - etwa Sport, Sprache, Katastrophenhilfe - funktionierten gut, so Kalbskopf. Dass die Ausbildung selbst vom Sparkurs noch nicht betroffen ist, bestätigt auch Gardechef Kirchebner.
Wohl aber anderes: Bei möglichen Einsätzen habe es vor einem halben Jahr eine von über 500 Soldaten gegeben, jetzt sind es 150. Viele Autos, Lkw und Busse sind einfach kaputt, Geld für Reparaturen gibt es nicht. Solche Klagen hört man aus vielen Verbänden im Land.
Die miserablen Zustände sind langsam aber sicher auch den verantwortlichen Politikern ein Dorn im Auge. Anfang Oktober will Verteidigungsminister Klug Notfall-Maßnahmen vorlegen - nach der Regierungsklausur Ende September. Mit diesem ungeliebten Thema will man sich bei der Klausur wohl lieber nicht beschäftigen.