Der Winter ist noch ein Stück entfernt, doch Deutschlands Gasspeicher sind ungewöhnlich leer. Aktuell sind sie zu knapp 56 Prozent gefüllt – deutlich weniger als sonst um diese Jahreszeit.
Anfang September waren die Speicher nur zu rund 53 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren.
Wie n-tv.de berichtet, hatte der Gasspeicher-Verband INES vergangene Woche vor Engpässen im Fall eines sehr kalten Winters gewarnt. Bei extrem niedrigen Temperaturen könne es bereits im Jänner zu Problemen kommen.
Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer günstiges Erdgas, speichern es ein und verkaufen es im Winter mit Gewinn. Doch wegen der hohen Preise infolge des Iran-Krieges rechnet sich das derzeit kaum. Entsprechend geringer ist für Händler der Anreiz, Gas einzulagern.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will deshalb dafür sorgen, dass bis zum Beginn der Heizperiode mehr Gas in die Speicher kommt. Auf einen staatlichen Gaseinkauf wie während der Energiekrise 2022 will die CDU-Politikerin aber verzichten.
Stattdessen sollen die beiden bundeseigenen Energiekonzerne Uniper und Sefe ihre Möglichkeiten zum Einspeichern stärker ausschöpfen. Zudem sollen die finanziellen Anreize für Händler erhöht werden, zusätzliches Gas für den Winter einzuspeichern.
"Der Staat darf nicht selbst zum Preistreiber werden", hatte Reiche vergangene Woche im Bundestag gesagt. Sonst seien hohe Energiepreise die Folge, und die Wirtschaft werde zusätzlich belastet.
Trotz der niedrigen Speicherstände sieht die deutsche Bundesregierung derzeit keine unmittelbare Gefahr für die Versorgung. "Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten", heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.
In Österreich sind die Speicher aktuell zu 67 Prozent gefüllt. Die heimische strategische Reserve ist damit laut Experten ausreichend für den Winter.