"Gefährdern gehört die Staatsbürgerschaft entzogen"

Neos Wien-Chef Christoph Wiederkehr im Telefoninterview mit "Heute".
Neos Wien-Chef Christoph Wiederkehr im Telefoninterview mit "Heute".Neos Wien
Im Fall einer Doppelstaatsbürgerschaft will Wiens Neos-Chef IS-Anhänger den österreichischen Pass entziehen. Sonst setzt er auf De-Radikalisierung.

Das Entsetzen über den Terroranschlag in der Wiener Innenstadt ist auch drei Tage danach noch immer groß. Im Telefoninterview mit "Heute"erzählt der Chef der Wiener Neos, Christoph Wiederkehr, wie er die dünkelste Nacht der jüngeren Geschichte erlebt hat und welche Auswirkungen sie auf die laufenden Koalitonsgespräche zwischen SPÖ und Neos hat.

Heute: Herr Wiederkehr, wo waren sie zum Zeitpunkt des Anschlags und was ist Ihnen dabei durch den Kopf gegangen?

Wiederkehr: "Ich war in meinem Büro im Neos-Klub unweit des Rathauses. Also weniger als einen Kilometer vom Ort des Anschlags entfernt. Es war ein schrecklicher Moment, ich war gefesselt von den Ereignissen, das war schon sehr bedrückend. Ich habe dann noch eine Stunde zugewartet, bin dann aber nach Hause gefahren".

"Es ist unglaublich, dass so ein feiger Terroranschlag in so einer offenen Stadt wie Wien geschieht. Mein erstes Gefühl war 'Scheiße, wie viele hat es da erwischt, wieviele Opfer gibt es und wie geht es weiter?' 

"Gefährder müssen von den Geheimdiensten intensiv beobachtet werden"

Heute: Was sagen Sie dazu, dass es bereits Warnungenbezüglich des Attentäters gab?

Wiederkehr:"Wir brauchen hier völlige Aufklärung. Zudem müssen Gefährder von den Geheimdiensten intensiv beobachtet werden, die Behörden müssen hier schneller agieren".

Heute: Wie weit ist der Terroranschlag Thema bei den laufenden Koalitionsgesprächen?

Wiederkehr: "Natürlich waren die Ereignisse auch Thema bei den Gesprächen. Jetzt geht es vor allem darum, als starke Stadt und wehrhafte Demokratie aufzutreten und intensiven Zusammenhalt zu zeigen. Natürlich sind Sicherheit und Integration immer Themen, auch die Frage, wie wir mehr Polizei bekommen können".

"Wir haben vereinbart, dass wir über die Inhalte der Gespräche Stillschweigen bewahren. Aber ich denke, dass auch die Stadt Maßnahmen zur De-Radikalisierung setzen bzw. intensivieren kann. Das war auch Thema der Gespäche".

"Ich bin dafür, IS-Kämpfern und Gefährdern die Staatsbürgerschaft zu entziehen"

Heute: Soll IS-Anhängern die Staatsbürgerschaft entzogen werden?

Wiederkehr: "Ich bin dafür, IS-Kämpfern und Gefährdern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, wenn diese eine Doppelstaatsbürgerschaft besitzen".

Heute: Und wenn nicht? Das heißt, wenn die Betroffenen dadurch staatenlos werden würden?

Wiederkehr:"Da ist es dann schwierig, denn die Betroffenen könnten dadurch nirgendwohin. Daher müsste man auf De-Radikalisierungsmaßnahmen setzen".

Heute: Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat als Ziel ausgegeben, bis Mitte November die Koalitionsgespräche abzuschließen. Hält der Zeitplan?

Wiederkehr:"Die Gespräche laufen sehr konstruktiv, die Verhandlungen sind sehr intensiv und teils hart. Es gibt auch noch einige Knackpunkte (Details dazu will Wiederkehr nicht nennen, Anm.). Wir sind aber erst bei Tag zehn und es ist noch ein weiter Weg bis zum Ziel. Auch für eine Zwischenbilanz ist es jetzt noch zu früh, die Koalition ist gewollt, aber bei weitem noch nicht fertig. Ab sich Mitte November ausgeht, wird man erst sehen". 

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account lok Time| Akt:
WienNEOSTerrorismusKoalition

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen