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Gefängnis für Sex? So reagiert der FIFA-Boss auf Eklat

Ein Bericht sorgt vor der WM in Katar für Aufsehen. Für unehelichen Sex sollen mehrere Jahre Gefängnis drohen. Der Fifa-Boss weicht aus.
Sebastian Klein
26.06.2022, 13:30

Die Meldung sorgte in der letzten Woche für einen Riesen-Wirbel weltweit! So können Fans in Katar gemäß eines Medienberichts der "Daily Mail" bis zu sieben Jahre ins Gefängnis wandern, wenn sie unehelichen Sex haben.

Der britischen Zeitung sagte ein Polizist, der anonym bleiben wollte: "Sex sollte nicht auf dem Plan stehen, es sei denn, man reist als Ehepaar nach Katar. Bei diesem Turnier wird es definitiv keine One-Night-Stands geben, außer man will im Gefängnis landen." Bei der diesjährigen WM gebe es im Grunde zum ersten Mal überhaupt ein Sexverbot. "Die Fans müssten darauf vorbereitet sein."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Unter den Fans war daraufhin die Sorge groß. Viele fragten und fragen sich wohl immer noch: Wie soll ein fröhliches Fußball-Fest gefeiert werden mit all den Regeln? So ist das Sexverbot ja nicht das Einzige, was nicht erlaubt sein wird in Katar. So steht ein Alkoholverbot zur Debatte, zudem lehnen mehrere offizielle WM-Hotels Schwule ab. Das zeigten zuletzt verdeckte Recherchen.

"Menschen werden festgenommen, wenn sie etwas zerstören"

Fifa-Boss Gianni Infantino lässt sich derweil von all dem nicht die Laune verderben. Mehr noch: Angesprochen auf das Sexverbot gibt der 52-Jährige eine Wischi-Waschi-Antwort. "Das wird nicht passieren. Menschen werden festgenommen, wenn sie hier etwas zerstören, wenn sie sich auf der Straße zu prügeln beginnen, so wie ich es bei jeder anderen WM auch erwarte", so Infantino beim Qatar Economic Forum. Die Fifa arbeite Hand in Hand mit den Behörden und der Polizei. Jede Person werde willkommen sein. Und: "Wenn Katar nicht jeden willkommen heißen würde, würde das Land die WM doch gar nicht ausrichten."

Ob seine Antwort die Gemüter der Fans beruhigt? Wohl kaum. Sie genügt aber aus, dass die Katar-Journalisten der "Doha News" zum Rundumschlag gegen westliche Medien ausholen. Stinksauer schreiben sie beispielsweise: "Diese reißerischen Artikel handeln von Gesetzen, die schon lange im Land existieren. Jetzt wird so getan, als sei das eine neue Information für die Fans." Auch zitiert die Zeitung Hassan Al-Thawadi, Generalsekretär des Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC). Er meint: "Wir bitten die Menschen, unsere Kultur zu respektieren. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt."

Schweizer Botschaft in Katar vermeidet klare Antwort

Es sind Worte, die viel Spielraum für Interpretationen lassen. Und es sind Worte, die einen eher ratlos zurücklassen. Zumal es auch von anderen Seiten nicht ganz klare Worte betreffend des Sexverbots für Nicht-Ehepaare gibt. Auf Anfrage von 20 Minuten ließ der Schweizerische Fußballverband (SFV) etwa ausrichten, dass er zuvor noch nie von dieser Sexverbot-Thematik gelesen habe. Die Schweiz nimmt im Gegensatz zu Österreich an der WM teil.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verwies auf die Behörden in Katar. Die Schweizer Botschaft in Doha meinte gegenüber 20 Minuten: "Das ist Sache von der Regierung." Man könne weder bestätigen noch ausschließen, dass den Fußball-Fans für unehelichen Sex drastische Strafen drohen.

"Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht"

Travelclub, das offizielle Reisebüro des SFV, hat sich mit dem Thema noch nicht wirklich auseinandergesetzt. Antonio Gambardella, Managing Director von Travelclub, sagte, dass man sich zuletzt auf andere Fragen konzentriert habe, mit denen sich die Nati-Fans bei einem WM-Trip auseinandersetzen müssen. Der Umgang mit dem Thema Alkohol oder die Organisation der fast kaum vorhandenen Unterkünfte im Gastgeberland stünden im Fokus.

Monate vor der WM ist die Ungewissheit also noch groß. Für Amnesty Schweiz ist derweil gegenüber 20 Minuten klar: "Grundsätzlich lässt sich sagen, dass niemand für die Praktizierung von außerehelichem Sex bestraft werden darf. Sexualität ist eine Privatsache, in die sich keine Regierung einmischen sollte. Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht, das auch an der WM in Katar gilt!" Weiter sagt die Menschenrechtsorganisation, dass sie keine aktuellen Zahlen zu den Verurteilungen wegen außerehelichen Sex habe. Mediensprecherin Natalie Wenger sagt: "Meistens betreffen die Verurteilungen aber Frauen und LGBTI-Personen."

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