Ein 39-jähriger Japaner muss für 1,5 Jahre hinter Gitter und eine Geldstrafe von einer Million Yen (rund 5.350 Euro) zahlen. Grund dafür: Er hat auf seiner Fanseite im Internet ausführliche Zusammenfassungen von Filmen und Anime-Serien veröffentlicht. Ein Gericht entschied damit zugunsten der CODA, einer Organisation, die in Japan die Urheberrechte von Medienfirmen schützt.
Offenbar teilte der Mann zwischen 2018 und 2023 detaillierte Beschreibungen von Filmen und Serien, die oft komplette Handlungen und sogar Dialoge enthielten. Die Länge seiner Texte betrug oft mehr als 3.000 Zeichen.
Im Mittelpunkt des Prozesses standen zwei Fälle: Zum einen ging es um eine Zusammenfassung einer Folge der Anime-Serie "Overlord" (2018), die dem Medienkonzern Kadokawa gehört. Zum anderen betraf es einen Artikel über den Film "Godzilla Minus One" (2023) des Studios Toho. Die Rechteinhaber sahen darin eine so umfassende Wiedergabe der Handlung und Dialoge, dass für die Leser kein Grund mehr bestand, das Originalwerk zu kaufen oder anzuschauen.
Rechtlich gelten solche Zusammenfassungen in Japan als "Adaptionen", für die eigentlich eine Lizenzgebühr zu zahlen wäre. Dies hat der Japaner aber nicht gemacht. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen, mit Werbeeinnahmen auf seiner Seite große Summen verdient zu haben. Allein 2023 sollen diese Einnahmen 38 Millionen Yen (etwa 203.389 Euro) betragen haben.
Auch wenn 3.000 Zeichen nicht nach viel klingen, muss man wissen: Im Japanischen kann ein Zeichen bereits ein ganzes Wort (Kanji) sein. Das Urheberrecht wird dort besonders streng ausgelegt. Wer zu ausführlich zusammenfasst, muss mit harten Strafen rechnen – wie dieser Fall zeigt.
Nicht nur Texte, sondern auch Videos sind in Japan betroffen. Die CODA hat schon früher durchgesetzt, dass YouTube-Videos mit Zusammenfassungen von Filmen oder Serien verboten werden. In Zukunft will die Organisation das Urheberrecht noch schärfer durchsetzen. Kritiker meinen, die strengen Gesetze behindern die Fankultur und schränken den freien Austausch über Filme und Serien ein.
Auch bei uns in Österreich wäre es problematisch, wenn man mit ausschweifenden Filmzusammenfassungen Geld verdient. Rechteinhaber haben auch hier Anspruch auf Vergütung. Wer ein Werk weiterverbreitet, kann von Verwertungsgesellschaften zur Kasse gebeten werden. Wenn du also einen ganzen Film sehr szenengetreu und mit vielen Zitaten nacherzählst, wäre das auch bei uns rechtlich schwierig.