Christian Kuhn ist der Mann, dem die schweren Jungs vertrauen: Seit 35 Jahren ist er Seelsorger in der Justizanstalt Wien-Josefstadt - "der Pfarre mit den meisten Messbesuchern Österreichs", so Kuhn.
Christian Kuhn ist der Mann, dem die schweren Jungs vertrauen: Seit 35 Jahren ist er Seelsorger in der Justizanstalt Wien-Josefstadt - "der Pfarre mit den meisten Messbesuchern Österreichs", so Kuhn.
Er ist der Seelenhirte der schwarzen Schafe: Rund 1.200 Häftlinge sitzen in der Wiener Justizanstalt Josefstadt, knapp die Hälfte davon ist katholisch. Alle 14 Tage haben sie die Möglichkeit, zu Gott zurückzufinden - in einer Messe mit Christian Kuhn. "Ganz egal, ob Mörder, Räuber oder Betrüger - mir ist beim Gottesdienst jeder willkommen. Nur wenn jemand tratscht oder stört, muss er gehen", so der 60-Jährige.
Und die geschlossene Gesellschaft versammelt sich gern vorm Altar: "Mit 30 Prozent Besuch haben wir die beste Quote des Landes." Doch im Häf'n ist selbst das Beten ein logistisches Problem: "Weil sich U-Häftlinge, die gemeinsam Taten begangen haben, nicht treffen dürfen."
Nach Haft immer noch Freunde
Apropos Treffen: Die gibt es zwischen Kuhn und geläuterten Verbrechern auch nach der Entlassung: "Mit einigen verbindet mich eine Freundschaft. Wir gehen regelmäßig miteinander essen und plaudern. Da denke ich gar nicht daran, dass die einmal einen Mord begangen haben." Außerdem, so Kuhn: "Die Gefängnismauer ist nicht die Grenze zwischen Gut und Böse. Man muss immer die ganze Biografie eines Täters sehen - ohne dabei aber seine Tat gutzuheißen.".