Österreich

"Geheim-Polizei" macht in Kitz Jagd auf Hausbesitzer

Sie schauen in Müll und Briefkästen, beobachten Häuser und befragen Nachbarn: Eine Gruppe Tiroler will Zweitwohnsitzern in Kitzbühel an den Kragen.
Sandra Kartik
31.08.2023, 22:24
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Nicht erst seit der kultigen TV-Serie "Piefke-Saga" ist klar: Deutsche erfreuen sich in Tirol nicht allzu großer Beliebtheit. Sie kurbeln als treue Touristen zwar unermüdlich die Wirtschaft an, sie dienen dennoch immer wieder als Projektionsfläche für den Grant der Einwohner.

Im Nobel-Skiort Kitzbühel (T) sei die Skepsis gegen Deutsche, Wiener und andere Nicht-Tiroler derzeit sehr stark spürbar, berichten Einwohner. "Uns schlägt Hass entgegen, weil wir Wienerisch sprechen", klagt eine Unternehmerin, die schon vor Jahren aus der Bundeshauptstadt in den Westen des Landes gezogen ist, im "Heute"-Gespräch.

Besonders betroffen von der fremdenfeindlichen Stimmung sind derzeit Besitzer von Zweitwohnsitzen, berichtet die Wahl-Tirolerin. Die Zugezogenen würden den Einheimischen dringend notwendigen Wohnraum wegnehmen, so der Vorwurf. Außerdem würden sie die ohnehin schon hohen Immobilienpreise noch weiter nach oben treiben.

Penible Kontrolle

Eine kleine Gruppe von Tirolern hat es sich deshalb zum Ziel gemacht, den derzeit etwa 10.000 illegalen Freizeitwohnsitzen im Bundesland auf die Spur zu kommen. Illegal deshalb, weil die Wohnsitze nicht ausreichend genutzt werden, bzw. niemand wirklich dort lebt oder anwesend ist. Geschlossene Fensterläden, übervolle Briefkästen und andere Indizien werden von der "Geheim-Polizei" deshalb penibel gesammelt. Betroffene berichten, dass selbst der Müll kontrolliert wird und Vorhängen fotografiert werden, um zu dokumentieren, wie oft sie sich bewegen. Nachbarn würden gegeneinander aufgehetzt und sogar von den Behörden einvernommen.

Ein Landesgesetz macht diese kuriosen Kontrollen erst möglich. Im Kitzbüheler Stadtbauamt wurde sogar eine Sonderstelle für "verdächtige Liegenschaften" eingerichtet. Juristin Sandra Brandstätter ist Teil des selbsternannten Aufdecker-Teams. In den letzten zwei Jahren hat sie laut eigenen Angaben bereits über 630 Kontrollen in Kitzbühel und Umgebung durchgeführt. "Daraus haben sich acht Nutzungsuntersagungen ergeben. Das bedeutet, dass die Objekte nicht mehr als Freizeitwohnsitze genutzt werden dürfen", freut sie sich im ORF. 

Weitere Kontrolleure dringend gesucht

Für ihre "Bespitzelungen", wie es von Hausbesitzern mehrfach heißt, suchen die Kontrolleure nun dringend Verstärkung. So werden in regionalen Medien konkret Stellen ausgeschrieben. In den "Kitzbühel-Bezirksblättern" heißt es etwa: "Die Verwaltungsgemeinschaft der Unterländer Gemeinden gegeht gegen illegale Freizeitwohnsitze vor. Wenn Du einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Dorflebens leisten möchtest und illegalen Freizeitwohnsitzen entgegenwirken willst, dann bewirb dich jetzt als Miterbater:in des Erhebungsteams."

Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler steht den Kontrollen skeptisch gegenüber. "Ich halte dieses Landesgesetz für inakzeptabel und nicht brauchbar. Die Absicht, leistbaren Wohnraum in Tirol zu schaffen, wird man mit diesem Gesetz nicht schaffen", sagt er im ORF-Interview. Oft würden sich Verdachts-Kontrollen in Luft auflösen, weil es in Kitzbühel über 1.200 legale Freizeitwohnsitze gibt. 

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