Geheimdienst vernichtete Akten zu Neonazi-Mordserie

Bild: EPA/dapd

Der deutsche Inlands-Geheimdienst hat bei den Ermittlungen zur Neonazi-Mordserie Akten vernichtet, nachdem das Trio aus Zwickau bereits aufgeflogen war.

"Sie sind aufgefordert worden, Akten zu suchen, sie haben Akten gefunden und sie haben die Akten vernichtet", sagte der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zur NSU-Terrorzelle, Sebastian Edathy von der SPD. Innenminister Hans-Peter Friedrich wies den Präsidenten des Verfassungsschutzes, Heinz Fromm, an, den Vorgang lückenlos aufzuklären.

Dem Vernehmen nach ist der Täter inzwischen bekannt. Ihm droht ein Disziplinarverfahren. Fromm soll in der kommenden Woche als Zeuge vor den Ausschuss geladen werden. Der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) werden insgesamt zehn Morde zur Last gelegt, darunter neun an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft. Ein Opfer war eine deutsche Polizistin.

"Das Versagen hat viele Facetten"

Den Angaben zufolge sollten die Ermittler am 11. November 2011 Akten für die Arbeit der Bundesanwaltschaft zusammenstellen. Stattdessen seien am selben Tag Akten vernichtet worden. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, verteidigte am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss das Vorgehen der Ermittler bei der Neonazi-Mordserie im Grundsatz.

Er räumte zwar Fehler ein, ließ aber offen, wo diese geschehen seien. "Das Versagen hat viele Facetten", sagte er. Die Ermittler in den Ländern hatten einem rechtsextremistischen Hintergrund der Mordserie jahrelang kaum Beachtung geschenkt. Erst nach dem Selbstmord der mutmaßlichen Täter und Ende 2011 waren die Behörden auf die Terrorzelle gestoßen. Ihre mutmaßliche Komplizin sitzt in Untersuchungshaft.

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