Marx Halle abfackelt: Bedingte Haft für Pärchen

Das junge Pärchen hatte unter Drogeneinfluss versucht Geister zu beschwören bis ein Brand ausbrach: An der Wiener Event-Location entstand Millionenschaden.
Jenes Paar, das am 10. September des Vorjahres den folgenschweren Brand in der Marx Halle in Wien-Landstraße gelegt hatte – "heute.at" berichtete –, ist am heutigen Dienstag vom Bezirksgericht Innere Stadt zu bedingten Haftstrafen verurteilt worden. Das berichtet der "ORF".

Der bereits wegen Raubes vorbestrafte junge Mann (20) fasste neun Monate auf Bewährung aus, seine etwa gleichalte Freundin, deren Idee die ganze Zündelei gewesen war, sieben Monate. Zudem müssen sie die enormen Kosten tragen, die durch die Flammen entstanden sind. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide erschienen ohne eigenen Rechtsanwalt zur Verhandlung, haben also noch drei Tage Zeit hat, die festgesetzten Strafen doch nicht anzunehmen.

Schwangere konsumierte Cannabis

Die Aussagen der beiden Beschuldigten während des Prozess waren ebenso bizarr, wie die Handlungen die zu dem Feuerinferno geführt hatten: Das Paar hatte anhand einer Anleitung aus dem Internet eine Geisterbeschwörung durchgeführt. Zur Einstimmung auf das bizarre Ritual hatten die beiden Lehrlinge noch Cannabis konsumiert. Als der Richter anmerkte, dass die junge Frau zu dem Zeitpunkt schwanger war, antwortete diese kaltherzig: "Ich wollte das Kind ohnehin nicht." Weil ihre Teelichter im Park vom Wind immer wieder ausgeblasen worden waren, schlichen sie sich in die unversperrte Marx Halle.

CommentCreated with Sketch.11 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Dort fanden sie Gartenfackeln, die sie just ebenfalls entzündeten. "Es wird schon nichts passieren", will sich die junge Frau noch gedacht haben, als ihr Freund diese in eine dort befindliche Couch steckte. Plötzlich kippte aber eine der Fackeln um und löste das folgende Feuerinferno aus. Unfähig den Öl-Brand zu löschen, suchte das "eing'rauchte" Paar das Weite. In einem Anflug von etwas Anstand, alarmierten sie – unter falschem Namen – die Feuerwehr. Durch dieses Telefonat konnten die beiden schließlich von den Ermittlern der Polizei ausgeforscht werden.

Menschenleben kamen Gott sei Dank nicht zu schaden. Ein 71-Jähriger, der mit Erlaubnis in seinem Wohnmobil in der Halle schlief, wurde noch rechtzeitig wach und konnte flüchten.

Die Tragweite ihrer Zündelei scheint den beiden "Geisterbeschwörern" aber immer noch nicht bewusst zu sein. Allein an eisernen Konstruktion der Halle entstand Sachschaden in Höhe von drei Millionen Euro, wozu nochmal etwa eine Million an laufenden Kosten für den Betreiber hinzukommen. Unter den Geschädigten finden sich auch prominente Namen: Auch Kabarettist Michael Niavarani und Georg Hoanzl machten mehr als 428.000 Euro an Schaden geltend. Sie betreiben das in der Halle beheimatete Theater "Globe Wien".

"Sie werden nie wieder eine Ruhe haben"

Mit solchen Summen kann das Paar offenbar aber nichts anfangen. Denn als der 20-Jährige – er verdient aktuell 735 Euro, seine Freundin gar nichts – schon auf die Forderungen von Niavarani und Hoanzl eingehen wollte, schritt laut "ORF" der Richter ein: "Ich glaube, dass das Ihre Vorstellungen übertrifft, sonst würden sie nicht so entspannt da sitzen."

Die Ansprüche sollen nun auf zivilrechtlichem Weg eingeklagt werden. "Sie werden nie wieder eine Ruhe haben von den Anwälten der Gegenseite – und das bedaure ich auch nicht", schimpft der Richter. "Wenn Ihr Haus abbrennt, wollen Sie es auch ersetzt haben."

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(red)

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