Wegen Mordversuches musste ein IT-Techniker aus Niederösterreich heute in St. Pölten auf die Anklagebank. Der 46-Jährige soll laut Anklage versucht haben, seine 52-jährige Gattin mit einem sechs Kilogramm schweren Stein aus dem Garten zu erschlagen.
Die Vorgeschichte: Sie brachte vier Kinder mit in die Ehe, das Paar zeugte noch zwei gemeinsame Kinder, hatte somit in Summe sechs Kinder. Der 46-Jährige war wegen seines Berufes zeitlich oft unter Druck, Gewalt soll es in der Beziehung jedoch nie gegeben haben – zumindest bis zum verhängnisvollen 5. Februar 2020 ...
Der 46-Jährige hatte die Nacht auf 5. Februar 2020 auf der Couch im Wohnzimmer verbracht, weil er sich angeblich kränklich gefühlt hatte. Die Ehefrau schaute sich den Stand des gemeinsamen Kontos auf seinem Handy an und stutzte: Vor dem relativ hohem Eurobetrag stand ein Minus. Weiters fand die Frau einen verdächtigen Abbuchungsauftrag eines Wettbüros. Was die Frau aber noch gar nicht wußte: Der IT-Experte hatte längst seinen Job verloren.
Die 52-Jährige stellte ihren Mann zur Rede, nannte ihn einen "Spieler". Der gekränkte 46-Jährige ging in den Garten, kehrte zurück und hielt hinter seinem Rücken einen sechs Kilogramm schweren Rasenkantenstein. Der Ehemann holte laut Anklage aus, nur bückte sich die Frau just in diesem Moment. Sie wurde somit "nur" an der Schulter und im Nackenbereich getroffen, überlebte leicht verletzt. Daraufhin kam es zu einem Gerangel, dem 46-Jährigen fiel der Stein aus der Hand.
Der 46-Jährige flüchtete nach dem Angriff, wollte von einer Brücke springen, fuhr dann in den Tullner Bezirk und wollte sich vor einen Zug werfen. Nur setzte er sein Vorhaben nicht um und stellte sich schließlich beim Roten Kreuz und erzählte dort seine Geschichte, wurde der Polizei übergeben und landete schließlich in Untersuchungshaft.
Beim Prozess verantwortete sich der Angeklagte so: "Ich war schon länger selbstmordgefährdet. Und ich wollte meine Frau mit dem Stein nur erschrecken, damit sie dann böse auf mich und nicht so traurig ist, wenn ich mich umbringe. Nur auf der Brücke ging zu viel Wind, da hatte ich Angst, dass mein Vorhaben scheitern könnte." Der vom stark verteidigenden Christoph Naske vertretene 46-Jährige bekannte sich somit nicht schuldig, sprach vor dem Geschworenensenat nur von einem kontrolliertem Stoß.
Die 52-Jährige Ehefrau stärkte im Zeugenstand ihrem Ehemann den Rücken: "Wir führten eine gute Ehe, es gab keine Gewalt. Wir bauten gemeinsam immerhin vier Häuser."
Der Gutachter brachte schließlich Licht ins Dunkle: Der renommierte Gerichtssachverständige Werner Brosch sprach von einer massiven narzisstischen Kränkung des Angeklagten (Anm.: durch den Jobverlust des Angeklagten, er wurde von seiner Ehefrau Spieler genannt und vermutete eine Affäre seiner Ehefrau mit dem Nachbarn).
Am Nachmittag zogen sich die Geschworenen zur Urteilsberatung zurück und entschieden einstimmig: Es war kein Mordversuch, sondern versuchte absichtlich schwere Körperverletzung. Die Strafhöhe: zwei Jahre teilbedingte Haft, davon acht Monate bedingte Haft. Der Angeklagte nahm nach Rücksprach mit Anwalt Naske an, die Staatsanwaltschaft überlegt noch - somit nicht rechtskräftig.