Österreich

Stadt-RH: 103 von 3.621 Delogierungen verhindert

Heute Redaktion
13.09.2021, 21:55

Laut einem Stadtrechnungshof-Bericht landeten in den Jahren 2012 bis 2015 nur 103 von insgesamt 3.621 Delogierungsfällen bei der Koordinationsstelle Wohnungssicherung.

Im Jahr 2012 wurde von der Stadt die Koordinationsstelle Wohnungssicherung eingerichtet. Sie soll Betroffenen im Fall einer drohenden Zwangsräumung helfen. Im Zeitraum 2012 bis 2015 wurden 3.621 Mieter aus Gemeinde-Wohnungen tatsächlich delogiert – davon landeten allerdings nur 103 Fälle bei der Koordinationsstelle, so der Stadtrechnungshof in seinem Prüfbericht.

Insgesamt gesehen würdigt der Stadt-RH die Arbeit der Koordinationsstelle. Laut dem Prüfbericht leistete sie in einer nennenswerten Anzahl von Fällen einen wichtigen Beitrag zur Wohnungssicherung. Bemängelt wird allerdings, dass die zu behandelnden Fälle überwiegend nicht von Wiener Wohnen, sondern von den anderen in der Koordinationsstelle vertretenen Einrichtungen eingebracht wurden.

Delogierungs-Vermeidung: Viel Lob, wenig Kritik

Der Prüfbericht nimmt die Maßnahmen zur Delogierungs-Vermeidung in den Jahren 2012 bis 2015 unter die Lupe.

Grundsätzlich bewertet der Stadtrechnungshof die Maßnahmen von Wiener Wohnen positiv. Wie etwa die seit dem Jahr 2015 herausgegebene Info-Broschüre "Hilfe bei Mietzinsrückstand", die einen Überblick über soziale Einrichtungen bietet, die betroffenen Mietern helfen. Die Broschüre liegt im Kundenservice-Center von Wiener Wohnen auf, wurde bei Beratungsgesprächen über die Begleichung von Mietzinsrückständen verwendet und ist über die Homepage abrufbar.

Der Stadtrechnungshof kritisiert aber, dass keine standardisierte Zustellung an alle betroffenen Haushalte vorgesehen ist und damit die Erreichbarkeit aller Betroffenen nicht gegeben ist. Zudem wäre es zweckmäßig, die vor Ort tätige Service-Einrichtung "wohnpartner" künftig auch in die Delogierungs-Prävention einzubinden.

Anzahl der Delogierungen rückläufig

Im Bericht finden sich auch die Zahlen zu tatsächlich durchgeführten Zwangsräumungen. So wurden im Jahr 2012 insgesamt 936 Mieter tatsächlich delogiert. In den darauf folgenden zwei Jahren gingen die Delogierungen leicht zurück (2013: 895, 2014: 841). Im Jahr 2015 ging die Kurve wieder (kurzfristig) nach oben: 939 Mieter mussten ihre Gemeinde-Wohnung verlassen. Im Jahr 2016 waren es laut Wiener Wohnen allerdings nur mehr 755 Delogierungen.

Fast 90 Prozent der Zwangsräumungen beruhten auf der Nichtbezahlung von Mietzinsen. Vermehrt waren junge, männliche Erwachsene, Mieter ohne Einzugsermächtigung bzw. SEPA-Lastschriftmandat und Bezieher der Mindestsicherung gefährdet. Insgesamt rückläufig ist auch die Anzahl der Räumungsklagen: So lag die Zahl im Jahr 2012 bei 11.284, 2013 bei 9.556, 2014 bei 11.388, 2015 bei 9.550 und 2016 bei 9.308.

(cz)

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