Gemeinden weichen Zutrittssperren für Badeteiche auf

Der Sprung ins kühle Nass ist nicht allen und überall gestattet.
Der Sprung ins kühle Nass ist nicht allen und überall gestattet.Getty Images
Einige Orte haben den Zutritt zu Badeteichen auf Ortsansässige beschränkt – Beschwerden bei der Volksanwaltschaft waren die Folge. 

Der Eintritt in die Wiener Freibäder ist derzeit nur mit einer verschärften 3G-Regel möglich. Kinder ab sechs Jahren müssen unter Aufsicht getestet sein – ein PCR-Test ist 72 Stunden ab Probenahme, ein Antigen-Test einer befugten Stelle (Teststraße, Gurgeltest) 48 Stunden gültig. Viele Wiener Familien weichen daher ins Umland aus – und sind dort nicht immer willkommen.

Einige Gemeinden haben den Zutritt zu den Badeteichen auf Besucher beschränkt, die dort ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet haben – wie etwa in Wiener Neudorf (NÖ). Bereits seit Jahren ist der Kahrteich den Einheimischen vorbehalten, das sorgte immer wieder für Kritik: "Es gibt derzeit eine Fülle von Beschwerden, die meisten betreffen den Kahrteich. Denn Zutritt haben nur Besitzer der Wiener-Neudorf-Card, die wiederum nur Wiener Neudorfer erwerben können", erklärt Volksanwalt Werner Amon, zuständig für kommunale Angelegenheiten.

"Ab sofort können auch Nicht-Wiener-Neudorfer eine Saisonkarte für den Kahrteich erwerben" - Herbert Janschka, Bürgermeister von Wiener Neudorf

Nach einem Beschluss des Gemeinderates am 28. Juni rudert Bürgermeister Herbert Janschka (ÖVP) nun zurück: "Ab sofort können auch Nicht-Wiener-Neudorfer eine Saisonkarte zum Preis von 22 Euro im Bürgerservice des Gemeindeamtes während der Öffnungszeiten erwerben. Allerdings ist dieses Kontingent mit 200 limitiert."

In zwei bis drei Wochen soll es auch wieder Tageskarten geben, verspricht Janschka: "Diese können nur an Donnerstagen und Freitagen in der Zeit von 15 bis 18 Uhr im Gemeindeamt gekauft und irgendwann bis Saisonende (30. September, Anm.) verwendet werden. Direkt beim Teich gibt es keinen Kartenverkauf mehr." Eines stellt der Stadt-Chef allerdings klar: "Eine Saison- oder Tageskarte ist kein Garant für einen Einlass. Wer da ist, ist da. Wir können nur mehr 1.000 bis 1.200 Personen hineinlassen." 

Eintritt zum Badeteich nur mit der Biedermannsdorf-Card

Auch in Biedermannsdorf (NÖ) bleibt der Zutritt zum Badeteich Ortsfremden verwehrt – der Eintritt wird nur mit der Biedermannsdorf-Card gewährt: "Biedermannsdorfer können aber so viele Gäste mitnehmen, wie sie wollen. Es ist auch schon vorgekommen, dass die Card verliehen wurde. Grundsätzlich muss aber immer ein Biedermannsdorfer dabei sein", meint Bürgermeisterin Beatrix Dalos (ÖVP).

Sie spricht von einer Gratwanderung: "Wir wissen, dass es eine Beschwerde gibt. Im Moment sind wir dabei, das rechtlich prüfen lassen, da der Teich einem Verein gehört. Wie es nächstes Jahr aussehen wird, kann ich noch nicht sagen, aber in der heurigen Badesaison wird es definitiv so bleiben", berichtet Dalos und verweist auf das Klosterbad, das allen offen steht. Laut Volksanwalt Amon hat die Gemeinde bis 14. August Zeit für eine Stellungnahme.

"Es gibt nur Saisonkarten für Menschen mit Hauptwohnsitz in Vösendorf. Wir wollen keine Überlastung riskieren" - Bürgermeister-Büro Vösendorf

Keinen Sprung ins kühle Nass gibt es für Ortsfremde auch im Seepark Vösendorf (NÖ). Der 50.000 Quadratmeter große Badeteich wurde vom Unternehmen Aura Bau erworben, das dort anschließend Wohnungen errichtete. Die Gemeinde nutzt einen Teilbereich des Seezugangs: "Das sind aber sicher nicht mehr als 20 Prozent, der Rest sind private Zugänge. Um keine Überlastung zu riskieren, werden daher nur Saisonkarten an Menschen geschickt, welche in Vösendorf ihren Hauptwohnsitz haben", heißt es aus dem Büro von Bürgermeister Hannes Koza (ÖVP). 

Verschiedene Kartenpreise für Einheimische und Ortsfremde

Eine Beschwerde betraf laut Volksanwalt Amon zudem den Längsee in St. Georgen (Kärnten): Hier werden unterschiedliche Saisonkarten-Preise für Einheimische (48,40 Euro) und Ortsfremde (57,20 Euro) verlangt. "Es kann nicht sein, dass Einheimische weniger bezahlen müssen, als Ortsfremde", meint Amon.

Laut Bürgermeister Johann Grilz (FPÖ) handelt es sich bei dem Preisunterschied um eine Altlast: "Die Person, die sich beschwert hat, hat einen Gutschein von uns erhalten. Für heuer geht sich eine Preisanpassung nicht mehr aus, da wir alle Saisonkarten bereits verkauft haben. Im kommenden Jahr werden wir die Preise allerdings angleichen." Wie hoch der Preis für die Saisonkarte dann sein wird, lässt Grilz aber noch offen. Geplant ist zudem eine Kooperation mit dem Schlossbad.

"Es handelt sich hier eindeutig um eine Diskriminierung" - Volksanwalt Werner Amon

"Bei den Zutrittsbeschränkungen und ungleichen Kartenpreisen handelt es sich eindeutig um eine Diskriminierung, das ist gegen das EU- sowie das Verfassungsrecht. Es darf keine Benachteiligung aufgrund des Meldezettels geben. Ich kann ja auch nicht sagen, in die Wiener Bäder dürfen jetzt nur noch Wiener", so Volksanwalt Werner Amon. "Zudem erfolgt die Erhaltung der Badeanlagen nicht nur über die Gemeinde, sondern es fließen auch Gelder von Land und Bund", so Amon weiter und verspricht: "Wir prüfen jede einzelne Beschwerde."

Es gibt aber auch positive Beispiele: So werden etwa in Gerasdorf (NÖ) täglich 150 Tageskarten (Preis: neun Euro) für den Badeteich ausgegeben – allerdings bei einer maximalen Besucheranzahl von 1.000. Auch beim Ozean (maximal 1.300 Besucher) und dem Windradlteich (maximal 1.000 Besucher) in Guntramsdorf können Ortsfremde Tages- und Saisonkarten kaufen: "Allerdings ist eine Saisonkarte keine Garantie, dass man einen Platz bekommt, wenn es voll ist", heißt es aus dem Gemeindeamt. Bereits ausverkauft sind hingegen die rund 1.500 Saisonkarten für die Seeschlacht in Langenzersdorf (NÖ): Hier werden pro Tag nur maximal 600 Tageskarten (Preis: sechs Euro) vergeben.

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