"Gemini Man" – wie Kino sieht das nicht mehr aus

Will Smith kämpft gegen sein digital verjüngtes Alter Ego. Der Hauptdarsteller ist aber die 3D-Technik.
Warum Henry Brogan klonen und nicht etwa Nelson Mandela? Weil ein weiterer Nelson Mandela nicht aus zwei Kilometern Entfernung einen Mann in einem Hochgeschwindigkeitszug erschießen könnte. Eine ernüchternde und schmerzhaft realistische Einschätzung, die, in einen der besten Dialoge von "Gemini Man" verpackt, auch schon im Trailer des Actioners zu hören war.

Besser als das wird es nicht. Der neue Film von Oscar-Preisträger Ang Lee ("Life of Pi") und Co-Drehbuchautor David Benioff ("Game of Thrones") interessiert sich nicht für Ethik, Neophobien oder die Dialektik von Gut und Böse. Kugeln sollen fliegen, Autos in Flammen stehen und die Bösewichte menschenfeindliche Psychopathen sein!

Will Smith vs. Will Smith



CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Entsprechend schablonenhaft ist der Plot. Henry Brogan (Will Smith), der beste Auftragskiller der Welt, will sich mit 51 Jahren zur Ruhe setzen. Als er beginnt, unangenehme Fragen über seine letzte Mission zu stellen, setzen ihn seine Auftraggeber aus der US-Regierung auf die Abschussliste.

Der zwielichtige Clay Verris (Clive Owen) wird mit dem Job betraut und schickt den einzigen Agenten ins Gefecht, der der Aufgabe gewachsen scheint – Henrys Klon Junior (Will Smith, digital verjüngt), von dessen Existenz der verhinderte Pensionär bislang nichts ahnte.

Der Trailer von "Gemini Man":





4K 3D



Die Idee für den Film kam Hollywood schon in den Neunzigern, wurde damals aber verworfen, da die notwendigen Special Effects noch nicht entwickelt waren. Betrachtet man, wie Will Smith dank Rechnerleistung auf Mitte 20 getrimmt wurde, hätte sich eine längere Wartezeit mit Sicherheit gelohnt. Kurz gesagt: Wills Klon sieht unecht aus.

Der eigentliche Star von "Gemini Man" ist aber ohnehin die 4K-3D-Technologie des Films. 120 Bilder pro Sekunde bekommen die Zuschauer zu sehen – oder eben nicht, weil das menschliche Auge schon bei circa 16 Bildern pro Sekunde aussteigt.

Mehr Videospiel als Film



Knapp achtmal so viel sind es in "Gemini Man". Hyperrealistisch soll das aussehen, wirkt aber eher wie eine billig produzierte Telenovela. Oder ein moderner Ego-Shooter. Durch zahlreiche POV-Einstellungen (man nimmt quasi durch Henrys oder Juniors Augen ein Ziel aufs Korn) verstärkt Ang Lee diesen Eindruck noch.

In den toll choreographierten und großartig inszenierten Actionszenen des Films kommt das gar nicht mal schlecht. Der Rest ist, euphemistisch ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Wie Kino sieht das jedenfalls nicht mehr aus.

Fazit:



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"Gemini Man" startet am 3. Oktober in den österreichischen Kinos.

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