Wirtschaft

Generäle kaufen um halbe Million Uni-Lehrgang

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:53

Obwohl die Kontrollstellen des Ministeriums protestierten, blättert das Bundesheer 500.000 Euro für einen Doktor-Lehrgang an der Uni Wien hin. Sinnlos, meinen Kritiker.

Das Ministerium zweifelt am Sinn der Aktion. Außerdem glaubten mehrere Kontrollorgane nicht, dass die Kooperation zwischen Universität und Militär rechtskonform ist. Den Zuständigen ist die Kritik egal. Offiziell verteidigte das Bundesheer auf den umstrittenen Lehrgang damit, dass man "in der akademischen Welt den Anschluss erhalten und Expertise erlangen" wolle.

An der Landesverteidigungsakademie wird jedes dritte Jahr ein Generalstabslehrgang ausgebildet. Beginnend mit dem heurigen 19. Lehrgang sollen die Absolventen die Möglichkeit erhalten, an der Uni Wien den Doktor-Titel zu erwerben. Die Akademie hat dafür mit der rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Wien um 500.000 Euro pro Jahr einen PhD-Lehrgang ("Doctor of Philosophy") vereinbart.

Kritik: 500.000 Euro sinnlos ausgegeben

Die Gruppe "Rechtswesen und Legislativer Dienst" im Verteidigungsministerium kritisierte etwa, dass es für die Höherqualifizierung der Lehrgangsteilnehmer keine Rechtsgrundlage gebe, auch der finanzielle Aufwand von 500.000 Euro sei gesetzlich nicht gedeckt. Die Rechtsabteilung sprach wörtlich von eine "Querfinanzierung von Universitäten durch den Bund", die grundsätzlich "nicht rechtskonform" sei. Auch die Gruppe "Revision" äußerte Zweifel an der "Zweckmäßigkeit des Vorhabens". Es sei weder erkennbar, "welche langfristige Zielsetzung verfolgt wird", noch wie der "Doctor of Philosophy" "nutzbringend in eine Durchschnittslaufbahn eingebracht werden kann".

Halbe Million für Personalkosten

Die Kosten von 500.000 Euro gehen laut den Ministeriumsakten hauptsächlich für Personal drauf: Beschäftigung eines Universitätsprofessors, zweier wissenschaftlichen Assistenten und eines Administrators. Finanziert werden aber auch Symposien, Kongresse, Publikationsaufwendungen, Materialkosten und dergleichen.

Das Ziel des Lehrganges sei es, alle drei Jahre bis zu 30 Personen als PhD zu qualifizieren. Beim aktuellen Generalstabslehrgang werden nach Auskunft des Ministeriums zehn bis fünfzehn Hörer den PhD-Kurs absolvieren. Der im Herbst 2013 beginnende 20. Generalstabslehrgang werde in das Projekt mit allen elf Hörern einsteigen. Neben den Generalstäblern sollen aber auch andere Bedienstete die akademische Aus- und Weiterbildung absolvieren dürfen.

Die Kooperation sei mit 2019 befristet, 2016 soll eine Evaluierung über ein allfälliges Fortführen stattfinden.

APA/red.

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