Bei einer Anti-Pelz-Demo in der Wiener Innenstadt wurde am Dienstag ein Tierschützer festgenommen. Laut dem Verein gegen Tierfabriken (VgT), der die Kundgebung organisierte, lief alles friedlich ab. Die Beamten sollen unverhältnismäßige Polizeigewalt angewandt und den Mann ohne Grund festgenommen und zehn Stunden lang in Gewahrsam genommen haben.
Der VgT hatte für Dienstag Nachmittag eine Anti-Pelz-Kundgebung vor einer Turek-Filiale in der Wiener Rotenturmstraße angemeldet. Nach Angaben der Tierschützer waren sieben Personen mit Plakaten anwesend, auch Flugblätter wurden verteilt.
"Ganz friedlich"
Eine solche Szene ist schon fast alltäglich auf Wiener Einkaufsstraßen. Polizeibeamte waren von Anfang an anwesend und hatten sich laut Tierschützer mit dem Kundgebungsleiter abgesprochen. Doch dann kam plötzlich Verstärkung für die Polizei.
Die neu hinzugekommenen Beamten sollen sich "aggressiv" verhalten haben und von allen Tierschützern Ausweise verlangt haben. In Österreich herrsche jedoch keine Ausweispflicht, um einen Ausweis verlangen zu können, muss die Polizei einen Grund nennen, argumentieren die Tierschützer.
So ein Grund wäre beispielsweise der Verdacht auf eine strafbare Handlung. Dieser muss jedoch explizit ausgesprochen werden, was laut VgT nicht geschah. Einer der Tierschützer verweigerte die Auskunft und wurde daraufhin unter Protesten ("Ich habe nichts gemacht! Warum verhaften Sie mich?") von der Polizei abgeführt.
In einem Video haben die Aktivisten die Szene dokumentiert, zumindest während der Aufnahme wirkt der Tierschützer friedlich, er versucht sich vor der Festnahme zu wehren. Der Mann kam erst nach zehn Stunden wieder frei.
Anruf von Geschäftsinhaber
Der VgT konnte mittlerweile das Protokoll des Einsatzes einsehen, der Grund für den Einsatz war ein Anruf des Geschäftsinhabers, vor dessen Filiale demonstriert wurde. Er habe sich über "aufdringliche" Flugblattverteilung beschwert und "radikale" Slogans zitiert, mit "Wörtern wie Blut und Tod".
Martin Balluch, Obmann des VgT findet, dass die Polizei hier rechtswidrig gehandelt hat. Der Verein wird Anzeigen wegen Freiheitsentzug, Körperverletzung, Nötigung und Amtsmissbrauch einbringen.